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Aktuelles Lexikon:Rabona

Die Geschichte des Tricks, den Lewandowski zeigte.

Von Frank Nienhuysen

Football Munich - Schalke, Munich Sept 18, 2020. Robert LEWANDOWSKI, FCB 9 trick Flanke fuer Thomas MUELLER, MÜLLER, FC
(Foto: imago)

Er kann das halt: Robert Lewandowski kreuzte mit seinem rechten Schussbein von hinten das linke Standbein und flankte zu Thomas Müller, der zum 6:0 gegen Schalke traf. Das Verblüffende an Lewandowskis spektakulärem Tor-Assist war, dass Fernsehkommentatoren darin einen Zirkuszauber sahen, bei dem sich die meisten anderen Fußballer die Bänder zu reißen drohten. So schlimm ist es nicht. Lewandowskis Trick heißt Rabona (ursprünglich: Schwänzen) und geht auf ein Tor des argentinischen Nationalspielers Ricardo Infante aus dem Jahr 1948 zurück. Der Vorteil einer Rabona ist, dass sie den Gegenspieler überrascht und für Rechtsfüßer infrage kommt, die mit ihrem linken Fuß beim Fußball wenig anfangen können. Auf Bundesliga-Niveau kommt das allerdings kaum noch vor. Bei einer Rabona fehlt es oft an Präzision und Druck gegen den Ball, deshalb sieht man sie fast nie in wichtigen Spielen. In Deutschland hat Hans "Buffy" Ettmayer bereits in den Siebzigerjahren beim VfB Stuttgart eine Rabona gezeigt, Diego Maradona flankte 1980 in einem Länderspiel gegen die Schweiz mit dem Überkreuztrick derart scharf und genau, dass Ramón Díaz nur noch einköpfen musste: das Spektakel eines Fußball-Genies. Heute können bereits viele Jugendliche eine Rabona - nur schaut dabei kaum jemand zu.

© SZ vom 21.09.2020
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