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Aktuelles Lexikon:Paulskirche

Der Geburtsort des deutschen Parlamentarismus ist sanierungsbedürftig.

Von Jens Bisky

Da er in Quarantäne ist, konnte der Bundespräsident seine Laudatio auf den Friedenspreisträger Amartya Sen am Sonntag nicht persönlich in der Frankfurter Paulskirche vortragen. Frank-Walter Steinmeier hat mit dem sanierungsbedürftigen Gebäude viel vor, er will es zu einem zentralen Erinnerungsort an die deutsche Demokratiebewegung ausbauen. In der evangelisch-lutherischen Hauptkirche der Stadt Frankfurt am Main hatten 1848 das Vorparlament und dann die erste Nationalversammlung getagt, die verfassungsgebende Versammlung der 48er-Revolution. Der elliptische Rundbau aus Rotsandstein war wenige Jahre vorher vollendet worden. Im dreißig Meter hohen Saal unter flacher Kuppel fanden die Abgeordneten ausreichend Platz. Gasbeleuchtung und Zentralheizung wurden eingebaut, an der Stelle des Altars stand der Präsidiumstisch, davor das Rednerpult. Eine hölzerne Zwischendecke verbesserte die miserable Akustik. Die 1944 nahezu vollständig zerstörte Kirche wurde bald nach Kriegsende in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Seit 1991 zeigt ein Rundgemälde von Johannes Grützke im Untergeschoss den "Zug der Volksvertreter zur Paulskirche". Bislang sind 39 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt. Neben der Paulskirche soll ein Haus der Demokratie entstehen.

© SZ vom 19.10.2020
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