Aktuelles Lexikon Mundharmonika

Sie passt in jede Hosentasche - und eignet sich auch für rührselige Auftritte im Europaparlament.

Von Dunja Ramadan

Nicht jedes Instrument eignet sich für eine solche Überraschung. Eine Harfe etwa hätte der EU-Parlamentarier Lojze Peterle nicht einfach mal so in den Plenarsaal schmuggeln können, um Abgeordnete in Straßburg zu Tränen zu rühren. Doch die Mundharmonika ist klein und handlich, passt in jede Anzughose. Also griff der frühere Ministerpräsident Sloweniens danach, um sich so kurz vor der Europawahl bei Kollegen für die vergangenen fünf Jahre Zusammenarbeit zu bedanken. Er spielte die Europäische Hymne, Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude", und appellierte an den Zusammenhalt. Viele befürchten für die Zeit nach der Europawahl im Mai einen Ansturm der Populisten. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts eignete sich die Mundharmonika hervorragend dafür, Momente der Wehmut zu kompensieren. Deutsche und österreichische Auswanderer brachten den Sound der Heimat damals mit nach Amerika. Dort wurde das Hosentascheninstrument vor allem in der schwarzen Bevölkerung schnell populär, sie nannten es Blues Harp. Erfunden hat die Mundharmonika wohl Friedrich Buschmann, Orgelbauersohn aus Thüringen in den frühen 1820er-Jahren. Andere Quellen besagen, dass das Instrument vielerorts gleichzeitig aufgetaucht ist. In Wien etwa wurde 1834 die erste Mundharmonikafabrik der Welt eröffnet.