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Aktuelles Lexikon:Marmelade

Streichfähig, fruchtig, begrifflich umkämpft: Eine kleine Kulturgeschichte des süßen Aufstrichs.

Von Marten Rolff

Seit Jahrtausenden kochen Menschen Früchte zu Mus. Zucker sowie das Pektin in der Frucht machen es süß, haltbar und streichfähig. Schon die Römer kannten dafür Vorläuferrezepte, belegt ist das durch den Fund von Tonscherben, an denen man Spuren von Pflaumen und Zuckerrohr entdeckte. Ende des 16. Jahrhunderts tauchte in Hamburg die Bezeichnung "Marmalada" auf, mutmaßlich für spanisches Zitrusmus, wobei der Name eigentlich auf das portugiesische Wort für Quitte zurückgeht (Marmelo). Die Deutschen nennen bis heute fast alles Marmelade, was süß und fruchtig ist, angesichts eines Obstgarten-Faibles haben sie es zu großer Sortenvielfalt gebracht. Allerdings legt eine EWG-Richtlinie von 2001 fest, dass der Name Marmelade nur noch Mus aus Zitrusfrüchten bezeichnen darf, alles andere muss Konfitüre heißen. Durchgesetzt haben das die Briten, als Markenschutz für ihre (Bitter-)Orangenmarmelade, die angeblich um 1790 nach der Notlandung eines andalusischen Handelsschiffes in Dundee von einer schottischen Kaufmannsfrau erfunden wurde. Die Briten verlassen bekanntlich die EU. Dafür haben die Amerikaner angekündigt, vom 1. September an Strafzölle auf Früchtemus aus Deutschland und Frankreich zu erheben. Zwischen Marmelade und Konfitüre wird nicht unterschieden.

© SZ vom 14.08.2020
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