Aktuelles Lexikon Lexikographie

Schon lange verfassen Menschen Lexika. Dem widmet sich die Lexikographie.

Von Marc Hoch

Den Menschen macht zum Menschen erst die Sprache. Insofern zählt die Beschäftigung mit Wörtern zu den ältesten intellektuellen Beschäftigungen überhaupt, oder anders gesagt: Die Lexikographie - im engeren Sinne verstanden als die Praxis und Theorie zur Herstellung von Wörterbüchern - ist Teil der Kulturgeschichte, seitdem der Laut in der Schrift erstmals konserviert wurde. Was im frühbronzezeitlichen Palast von Ebla im heutigen Syrien mit lexikalischen Listen auf Tontafeln begann, setzt sich bis in die Gegenwart fort: "Zentrum für digitale Lexikographie der deutschen Sprache" heißt ein Projekt, mit dem Sprachwissenschaftler das größte deutsche Online-Wörterbuch schaffen wollen. Die Wissenschaftler wollen dabei ähnlich große Maßstäbe setzen wie die Gebrüder Grimm, die mit ihrem geschichtlich orientierten Wörterbuch ein nationales Werk schufen. Angetrieben werden sie dabei von einer wahren "Lexikophilia", über die schon 1741 der Verfasser eines "Teutsch-Lateinischen Wörter-Buchs" schrieb, dass die sich bis zur "Raserey" steigern könne. Doch selbst die größte Leidenschaft reicht nicht, um ein Wörterbuch zu schaffen, das bleibt. Denn Sprache, wer wüsste es nicht, ändert sich wie die Welt selber. Deshalb gleicht die Lexikographie einer Uhr, die nachgeht: Sie ist immer zu spät.