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Aktuelles Lexikon:Kopfgeld

Schon im Mittelalter beteiligte der Staat die Bürger an der Suche nach Tätern - besonders da, wo sein Arm zu kurz war.

Der Aufruf klingt fast wie aus einem alten Western: Bis zu 15 Millionen Dollar Kopfgeld soll bekommen, wer Hinweise liefert, die zur Ergreifung oder Verurteilung des venezolanischen Präsidenten führen. Die US-Regierung erkennt Nicolás Maduro nicht als Präsidenten an und will ihn vor Gericht bringen. Doch "dead or alive", das Prinzip der Cowboyfilme, gilt hier nicht. Es geht um entscheidende Tipps aus der Bevölkerung. Schon im Mittelalter wurden Bürger so an der Tätersuche beteiligt, besonders in Gegenden, in denen der Staat Recht und Ordnung nur bedingt durchsetzen konnte. Eine der höchsten Summen überhaupt boten die USA, um Al-Qaida-Chef Osama bin Laden aufzuspüren: erst 25 und später 50 Millionen Dollar. So viel versprach auch Russland, um die Täter zu finden, die 2015 einen Flieger mit russischen Touristen über der Sinai-Halbinsel abgeschossen hatten. Erst neulich indes hat der Berliner Rapper Fler das Prinzip Kopfgeld wohl missverstanden. Er lobte 2000 Euro auf eine Frau aus, die seine Texte als sexistisch kritisiert hatte. Kurz darauf ermittelte die Polizei gegen ihn. Bin Laden wurde 2011 eher zufällig gefunden, die Täter vom Sinai bisher nicht, es floss also keine Belohnung. Doch immerhin: Ab und zu werden hierzulande, etwa bei Mordermittlungen, Teilbeträge ausgezahlt - steuerfrei.

© SZ vom 28.03.2020
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