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Aktuelles Lexikon:Hexensabbat

Wenn bestimmte Finanzwetten verfallen und die Kurse deshalb an den Börsen Tänze vollführen, dann ist es wieder so weit.

Von Harald Freiberger

Der Hexensabbat war im Mittelalter die Nacht zum 1. Mai, in der der Legende nach Hexen auf dem Blocksberg im Harz um den Teufel herumtanzten. Auch in der Neuzeit gibt es einen Hexensabbat, und zwar an der Börse. So wird der dritte Freitag in den Monaten März, Juni, September und Dezember genannt. Es ist der Tag, an dem viele Finanzwetten verfallen. Deshalb können die Kurse überraschend stark steigen oder fallen - eben Tänze vollführen, daher der Name Hexensabbat. Man spricht auch vom "dreifachen Verfallstermin", weil drei Arten von Finanzwetten verfallen: Optionen auf Aktienindizes wie zum Beispiel den Dax, Futures auf Aktienindizes und Futures auf einzelne Aktien. Das sind Termingeschäfte, mit denen ein Käufer gegen eine Prämie das Recht erwirbt, zu einem bestimmten Termin beispielsweise eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen. Bei Futures muss er dieses Recht ausüben, bei Optionen kann er es auch verstreichen lassen. Je nachdem, wo der Kurs der Aktie oder des Index zum Verfallstermin steht, machen die Käufer von Optionen und Futures Gewinn oder Verlust. Deshalb versuchen große Investoren wie Versicherungen oder Fondsgesellschaften vor dem Verfallstermin, durch andere Käufe oder Verkäufe die Kurse in die Richtung zu treiben, in der sie Gewinn machen.

© SZ vom 19.12.2020
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