Aktuelles Lexikon Finderlohn

Friedrich Merz spendiert Bücher, andere geben bares Geld.

Von Matthias Drobinski

Wer etwas Wertvolles findet, ist der Versuchung ausgesetzt. Soll er es behalten - oder es dem zurückgeben, dem es gehört? In Deutschland belohnt das Bürgerliche Gesetzbuch den ehrlichen Finder, wie das in vielen Ländern der Fall ist: Er kann vom Empfangsberechtigten einen Finderlohn empfangen. Bei einem Sachwert bis 500 Euro sind das fünf Prozent, danach drei - bei Tieren sind es generell drei Prozent. Hat die Sache vor allem einen ideellen Wert, "ist der Finderlohn nach billigem Ermessen zu bestimmen". Das kann zu Streit führen: 2004 verlor der damalige Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz sein Notebook, darauf auch die Adressdateien vieler prominenter Politiker. Der Obdachlose Enrico J. fand es damals, gab es zurück - und erhielt ein Buch, in dem der Autor Merz vom "Ende der Wohlstandsillusion" schrieb. Enrico J. fand das schofelig und ging an die Öffentlichkeit. Großzügiger waren in Hessen die Nachbarn, bei denen ein Neunjähriger klingelte: Stolz zeigte er ihnen einen Geldschein, den er vor ihrer Haustür gefunden habe. Nur hatte das Geld niemand verloren - der Junge hatte eine Tüte mit den Ersparnissen seiner Eltern dabei, insgesamt 2700 Euro; er wollte mit der Aktion sein Taschengeld aufbessern. Die Polizei ruft nun die Nachbarn auf, das Geld zurückzugeben. Finderlohn gibt es dafür nicht.