Aktuelles Lexikon Dhau

Diese kleinen Schiffe spielen im Konflikt am Persischen Golf eine besondere Rolle.

Von Paul-Anton Krüger

Die Aufmerksamkeit in der angespannten Situation am Persischen Golf gilt dem 330 Meter langen Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Dessen Entsendung aber ist offenkundig ausgelöst worden von anderen, viel kleineren Schiffen, Dhaus. Auf sie sollen iranische Revolutionsgardisten nach Aufklärungsbildern amerikanischer Geheimdienste abschussbereite Raketen verladen haben. Das arabische Wort "Dhau" bezeichnet als Gattungsbegriff verschiedene Typen von Segelschiffen, die im Indischen Ozean, im Roten Meer und im Golf gebräuchlich sind. Gemeinsam ist ihnen ein hölzerner Rumpf, dessen Planken früher mit Kokostauen und heute mit Nägeln an den Spanten befestigt werden. Ein bis drei einteilige Masten tragen dreieckige Lateinersegel oder trapezförmige Settiesegel. Kleinere Dhaus werden etwa zum Fischen benutzt, größere, die mehrere Hundert Tonnen Verdrängung erreichen können und hochseetauglich sind, dienen bis heute als Lastensegler. Die angeblich größte Dhau der Welt wurde 2017 in Dubai gebaut und misst knapp 90 Meter. Entlang der Küsten der Arabischen Halbinsel gibt es Tausende solche Schiffe, sie werden bis heute gebaut. Dhaus sind zum Schmuggeln genutzt worden, etwa um Waffen nach Jemen zu bringen. Ein solches Segelschiff zum Raketenboot umzufunktionieren, wäre aber neu.