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Aktuelles Lexikon:Cum Ex

So funktionierte der wohl größte deutsche Steuerskandal.

Für Besitzer von Aktien gibt es eine ganz besondere Zeit im Jahr: die Dividendensaison. Wer am Tag der Hauptversammlung die Aktie eines Unternehmens besitzt, bekommt in den meisten Fällen einen Anteil vom Gewinn. Reich wird man damit nicht, außer man besitzt Hunderttausende solcher Aktien. Eine Gruppe von findigen Finanzjongleuren aber hat mit dem Handel von Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividende über Jahre ein gigantisches Geschäft gemacht. Allerdings nicht, weil sie viele Aktien hielten, sondern tief in die Staatskasse griffen. Ihre Geschäfte sind der wohl größte Steuerskandal in Deutschland. Und der lief so: Wer eine Dividende bekommt, muss Kapitalertragsteuer abführen und erhält eine Steuerbescheinigung. Bestimmte Firmen bekommen das Geld später vom Fiskus zurück. Die Cum-Ex-Akteure handelten die Aktien nun rund um den Zahltag der Dividende so komplex, dass der Staat nicht mehr durchblickte, wem die Aktie wann gehörte. Die Finanzjongleure bekamen deshalb am Ende zwei Steuerbescheide. Die Folge: Der Fiskus kassierte die Steuer einmal, zahlte sie aber doppelt aus. Erst 2012 wurden die Geschäfte gestoppt. Der Schaden beläuft sich auf mehr als zehn Milliarden Euro. Zurzeit läuft ein Verfahren vor dem Landgericht in Bonn. Es soll klären, ob diese Geschäfte strafbar waren.

© SZ vom 22.11.2019
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