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Aktuelles Lexikon:Bambule

Ein Synonym für lautstarken Protest, und manchmal auch für Randale.

Von Joachim Käppner

Als Frank Werneke, Chef der Gewerkschaft Verdi, nun beklagte, Firmen wie H&M nutzten Corona, um Arbeitsplätze zu streichen, versicherte er zugleich: "Wir würden unter normalen Bedingungen selbstverständlich Bambule machen." Bambule stünde bereits auf der roten Liste aussterbender Begriffe, würde das Wort nicht auf der politischen Linken wie ein kostbarer Schatz gehegt und gepflegt. Es stammt aus der alten Gaunersprache und beschrieb etwa den Lärm, den protestierende Gefängnisinsassen veranstalteten, wenn sie mit Kochtöpfen und anderen Dingen gegen die Gitter schlugen. In den oft sehr unschönen Erziehungsheimen der Sechzigerjahre war solche Bambule durch die jungen Bewohner nicht selten. "Bambule" hieß 1970 ein Film der Journalistin und späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof über diese Heime. Linke Zentren und Bauwagenkolonien nannten sich selber ebenfalls gern Bambule. Das Wort steht also im weitesten Sinne für lautstarken Protest - ein Synonym für jenen (siehe oben: rote Liste) Rabbatz, den Verdi gern gegen H&M machen würde, ließe die Pandemie dies bloß zu - und gelegentlich auch für handfesten Krawall. 2012 skandierten Anhänger von Borussia Dortmund nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft: "Bambule, Randale, Dortmund hat die Schale!"

© SZ vom 04.02.2021
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