Aktuelles Lexikon Athletica Vaticana

Schon immer ist die Kirche hin- und hergerissen, wie sie es mit der sportlichen Betätigung hält. Nun hat der Vatikan eine Mannschaft.

Von Matthias Drobinski

"Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber nur einer den Siegespreis bekommt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt!" Der Apostel Paulus schrieb das einst an seine Gemeinde in Korinth; das Verhältnis der frühen Christen zum Sport aber war ambivalent: Körperertüchtigung fanden sie gut, die Brutalität und das unbedingte Leistungsdenken der antiken Athleten lehnten sie ab. Auch im Mittelalter blieb die Kirche hin- und hergerissen. Sie übernahm heidnische Volksspiele und gab Ritterturnieren ihren Segen, sah aber zugleich den Körper als Gefängnis und Grab der Seele an. Erst im 19. Jahrhundert gründeten sich christliche Sportvereine; der katholische Sportverband "Deutsche Jugendkraft" sogar erst 1920. Nun hat der Vatikan sich endgültig auf die Seite des Sports geschlagen: 60 Leichtathletinnen und -athleten zwischen 19 und 62 Jahren, darunter zwei muslimische Flüchtlinge, haben sich zu "Athletica Vaticana" zusammengeschlossen. Sie nehmen am Sonntag an einem Zehn-Kilometer-Lauf teil - allerdings außerhalb der Wertung. Immerhin: Der erste Schritt Richtung Olympische Spiele ist gemacht. "Athletica Vaticana" wolle Doping sowie Rassismus und dem "Verfall der Ethik" im Sport etwas entgegensetzen, sagte Kardinal Gianfranco Ravarsi, der Leiter des päpstlichen Kulturrates.