bedeckt München 15°
vgwortpixel

Aktuelles Lexikon:Altweibersommer

Wie die fünfte Jahreszeit ihren Namen bekam - und besungen wurde.

Woher der Name "Altweibersommer" kommt, der Anfang des 19. Jahrhunderts in vielen Dialektvarianten im Deutschen heimisch wurde? Wahrscheinlich stammt er von den Fäden her, an denen die jungen Baldachinspinnen Ende September, Anfang Oktober durch die Luft schweben; in der Sonne glänzen sie wie lange, graue Haare. In dieser Zeit setzt sich in Mitteleuropa und auch an der Ostküste der USA oft noch einmal ein stabiles Hochdruckgebiet fest, bevor der Herbst kommt. Es wird trocken und warm, die Fernsicht ist bestens, die ersten Blätter färben sich, in München freuen sich Oktoberfestwirte und -besucher gleichermaßen, und viele Dichter sind inspiriert. "Noch schenkt der späte Sommer Tag um Tag / Voll süßer Wärme", schrieb Hermann Hesse 1940 im Tessin in der Schweiz: "Bezaubert scheint die Welt, gebannt zu sein / Im Schlaf, im Traum, und warnt dich, sie zu wecken." Kurt Tucholsky nannte die Tage zwischen Sommer und Herbst "die fünfte und schönste Jahreszeit". "Die Natur hält den Atem an", schrieb er, sie lege sich nieder "wie ein ganz altes Pferd". Der Begriff Altweibersommer, befand 1989 das Darmstädter Landgericht, sei nicht frauenfeindlich. Es wies die Klage einer 1911 geborenen Frau ab, die sich durch die Wortwahl des Deutschen Wetterdienstes diskriminiert sah.