Aktuelles Lexikon Abklingbecken

Es schimmert kobaltblau - und ist gefährlicher, als es aussieht.

Von Christoph von EIchhorn

Für die Kernenergiebranche war es wohl das schönste Motiv, das sich aus einem Atomkraftwerk zeigen ließ: ein kobaltblaues Wasserbecken, verschwommen lassen sich darin in zwölf Metern Tiefe die Spitzen von Brennstäben erkennen. In solchen Abklingbecken kühlen radioaktive Brennelemente mehrere Jahre, nachdem sie im Reaktor Energie erzeugt haben. Das mutet harmlos an, wie Entspannung im Schwimmbecken. Doch spätestens die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi vor acht Jahren hat die Pool-idylle zerstört. Nicht nur die drei havarierten Reaktoren selbst gerieten damals zur Gefahrenquelle, sondern auch die darüber befindlichen Abklingbecken. Die noch immer mehr als hundert Grad Celsius heißen abgebrannten Brennstäbe müssen ständig flüssiggekühlt werden. In Kontakt mit Luft heizen sie sich auf, und die zirconiumhaltige Hülle geht in Flammen auf. Eine schwere Explosion, womöglich eine radioaktive Rauchwolke wäre die Folge. Nur mit Not verhinderten japanische Feuerwehrleute 2011 dieses Szenario, das einen massiven Fallout bedeutet hätte. Erst jetzt hat der Betreiber Tokyo Electric Power mit der Bergung der ersten sieben von insgesamt 1573 Brennstäbe aus der Atomruine begonnen, mithilfe eines ferngesteuerten Krans. Die gesamte Aktion geschieht unter Wasser.