Aktuelles Lexikon Aachener Vertrag

Das Papier, das Merkel und Macron an diesem Dienstag unterzeichnen, hat einen berühmten Vorgänger.

Von Kurt Kister

An diesem Dienstag wollen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Aachen einen Vertrag unterzeichnen, der eine Erneuerung des deutsch-französischen Élysée-Abkommens von 1963 sein soll. Dies ist nicht das erste Abkommen, das in der alten Kaiserstadt geschlossen wurde. Vor 201 Jahren, im Herbst 1818, tagte in der Folge des Wiener Kongresses von 1815 der Aachener Kongress. An ihm nahmen drei Monarchen aus der anti-napoleonischen Heiligen Allianz teil: Zar Alexander I., Kaiser Franz I. von Österreich mit seinem Außenminister Fürst Metternich sowie Preußens König Friedrich Wilhelm III. England war durch den Waterloo-Sieger Arthur Wellesley, Duke of Wellington, vertreten; Frankreich schickte den Herzog von Richelieu. Der Aachener Kongress sollte das wieder monarchisch regierte Frankreich ins Konzert der europäischen Mächte zurückholen. Dazu wurde unter anderem der Rückzug der noch in Frankreich verbliebenen Truppen der Anti-Napoleon-Allianz sowie eine Verringerung der Entschädigungszahlungen, die Paris zu leisten hatte, beschlossen. Aber der Aachener Kongress gilt auch als Auftakt der Unterdrückung liberaler, gar demokratischer Strömungen in Europa. Die repressiven Karlsbader Beschlüsse von 1819 wurden in Aachen vorbereitet.