Aktionskunst Politisch hässlich

Angebliche Nazis zu denunzieren fördert nicht die demokratische Kultur, sondern die Selbstgerechtigkeit.

Von Kia Vahland

Gedeckt von der Kunstfreiheit sollen die Mittel den Zweck heiligen - so lässt sich das neueste Werk der Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" verstehen. In einem "Katalog der Gesinnungskranken" listeten die Aktionisten online angeblich "Drückeberger vor der Demokratie" auf, nämlich rechte Demonstranten aus Chemnitz. Nutzer sollten deren Arbeitgeber informieren, weil der Verfassungsschutz in Sachsen versagt habe. Jetzt ist die Website wieder abgeschaltet, die Datensammlung bleibt.

Die Aktion appellierte an niedere Instinkte; ohne jede Ironie feuerte sie den Hang zur Ausgrenzung und Denunziation an. Befördert hat sie am Ende nicht die politische Schönheit, sondern das politisch Hässliche, nämlich den Hass, die Entgrenzung und die Selbstgerechtigkeit. Wer auf der Website vermeintliche Gesinnungstäter anprangerte, mochte sich auf der richtigen Seite fühlen: Er oder sie ist ja gegen Nazis. Politisch verändern wird sich dadurch allerdings nichts - außer dass die Aktion Verfolgungsfantasien auf der anderen Seite nährt und so womöglich Unentschlossene in die Arme der Rechten treibt.

Eine demokratische politische Kultur dagegen kann nur retten, wer sie lebt. Das bedeutet, die Regeln des Diskurses zu wahren, zu argumentieren, scharf zu kritisieren, anstatt andere abzukanzeln und auszugrenzen.