bedeckt München 26°

Afrikanische Terrorgruppe:Boko Haram bekennt sich zu blutiger Attacke auf Baga

  • Die Terrorgruppe Boko Haram hat sich in einem Video zum Anschlag auf die nigerianische Stadt Baga bekannt. Anführer Abubakar Shekau drohte Nigeria und dessen Nachbarländern zudem mit weiteren Attacken.
  • Anfang Januar waren bei dem Angriff auf die Stadt Baga Hunderte Menschen getötet worden - genaue Zahlen zu den Opfern liegen nicht vor. Amnesty International hatte die Aktion als die bislang "größte und zerstörerischste" Boko-Haram-Attacke bezeichnet.
  • Mehrere afrikanische Staaten beraten über eine gemeinsame Truppe im Kampf gegen die Extremisten.

Boko-Haram-Anführer Shekau äußert sich in Video

Die Extremistengruppe Boko Haram hat sich nun auch offiziell zu dem verheerenden Angriff auf die nigerianische Stadt Baga bekannt und mit weiteren Attacken gedroht. Das Volk von Baga sei "umgebracht" worden, sagte der Anführer der islamistischen Bewegung, Abubakar Shekau, in einem Video, das am Dienstagabend auf der Internet-Plattform Youtube veröffentlicht wurde. Es blieb allerdings unklar, wann und wo genau es aufgenommen wurde.

"Wir haben sie in der Tat getötet, so wie unser Gott es in seiner Heiligen Schrift angeordnet hat", fuhr Shekau umringt von acht maskierten Schwerbewaffneten in dem 35-minütigen Video fort. Das sei erst der Anfang gewesen. "Wir werden nicht aufhören. Ihr werdet schon sehen."

Satellitenaufnahmen von Doro Baga am 2. Januar und 7. Januar (links)

In der Filmaufnahme spricht Shekau auch Drohungen gegen Nigerias Nachbarländer aus, die derzeit über eine gemeinsame Truppe gegen Boko Haram beraten. "Ich fordere euch heraus, mich anzugreifen. Ich bin bereit", sagte der Boko-Haram-Anführer weiter. Den Präsidenten Nigers, Mahamadou Issoufou, warnte er unter anderem vor Mitleid mit Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris. Begleitet von Salutschüssen verbrannte Shekau in dem Video anschließend die nigerianische Flagge und schwenkte eine schwarze islamistische Fahne.

Boko Haram kämpft seit etwa sechs Jahren gewaltsam für die Errichtung eines Gottesstaats. Die jüngsten Angriffe werden auch als Versuch gewertet, die im Februar anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Nigeria zu gefährden.

Angriff auf Baga mit Hunderten Toten

Bei dem schweren Angriff auf Baga und Umgebung waren Anfang Januar Schätzungen zufolge Hunderte Menschen getötet worden, möglicherweise deutlich mehr. Genaue Angaben liegen nicht vor.

Boko Haram Die Wahrheit ist der Tod
Analyse
Boko-Haram-Terror in Nigeria

Die Wahrheit ist der Tod

"Während wir rannten, töteten sie weiter": Vier Tage hat das jüngste Massaker von Boko Haram im Norden Nigerias gedauert - ein grauenvoller Beweis der Gewalt. Mit radikalem Islam hat die Gruppe allerdings weniger zu tun, als sie selbst zugibt.   Von Isabel Pfaff

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte den Angriff als die bislang "größte und zerstörerischste" Attacke bezeichnet, die Boko Haram jemals verübte. Vor dem Hintergrund zahlreicher Augenzeugenberichte ist das Bekenntnis von Boko Haram indes wenig überraschend.

Baga liegt im Staat Borno im Nordosten von Nigeria am Tschadsee. Sicherheitsanalysten sehen in der Eroberung von Baga einen strategischen Erfolg für die Gruppe, die demnach als Nächstes Bornos Hauptstadt Maiduguri ins Visier nehmen könnte. Experten befürchten, Boko Haram könnte die Stadt, in der sich die Organisation einst gründete, zum Zentrum eines islamischen Gottesstaates machen wollen, den sie errichten will.

Planung einer gemeinsamen Truppe gegen die Terrorgruppe

Seit einigen Wochen stößt die Miliz auch vermehrt nach Kamerun vor. Im Niger hatten am Dienstag Vertreter mehrerer afrikanischer Staaten über den Aufbau einer gemeinsamen Truppe gegen Boko Haram beraten. Die Ausbreitung der Dschihadistenmiliz in Nigeria und darüber hinaus "spiegelt unsere Unfähigkeit zu einer robusten Reaktion wider", beklagte Nigers Außenminister Mohammed Bazoum zur Eröffnung der Konferenz in der Hauptstadt Niamey.

Der Tschad hatte vor wenigen Tagen bereits erste Soldaten in Richtung Kamerun und Nigeria in Bewegung gesetzt, um die Islamisten zu bekämpfen.

Terrorgruppe in Westafrika

Kamerunische Armee befreit Boko Haram-Geiseln

Ein kleiner Teil der mindestens 60 in Kamerun von Boko Haram verschleppten Kinder und Jugendlichen ist wieder in Freiheit. Einige westafrikanische Länder planen indes eine Eingreiftruppe gegen die Terroristen. Auch Deutschland will sich beteiligen.