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Afrikanische Flüchtlinge in Israel:Eindringlinge im Heiligen Land

Ihre Hoffnung auf ein besseres Leben wurde bitter enttäuscht. In Israel stoßen Flüchtlinge aus Afrika nur auf Elend, Rassismus und Gewalt. Zehntausende von ihnen leben unter katastrophalen Bedingungen in Parks und Flüchtlingsbaracken. Die Hetzpolitik der Regierung heizt die Stimmung zunehmend auf.

Auch die Sonne kann gnadenlos sein in Tel Aviv. Am Mittag brennt sie hoch vom Himmel, und die Schattenplätze werden knapp im Levinsky-Park im schäbigen Süden der Metropole. Unter den Bäumen hocken Gruppen schwarzer Männer, sie liegen ausgestreckt auf den Bänken, und sogar der Spielplatz mit den bunten Rutschen und Schaukeln gehört nicht mehr den Kindern. Hier sammeln sich die Hoffnungslosen, die Ausgestoßenen und die Ängstlichen, und mittendrin steht Guy Yosef und sagt: "Es ist eine Schande. Ich bin ein Flüchtling, und sie behandeln mich wie einen Kriminellen."

Afrikanische Flüchtlinge kampieren unter elenden Bedingungen im Levinsky-Park. Im armen Süden Tel Avivs ist die Lage besonders dramatisch.

(Foto: AFP)

Guy Yosef ist einer von 60.000. Ein Afrikaner, der die Heimat hinter sich gelassen hat, um in Israel vielleicht so etwas wie sein Glück zu finden. Er stammt aus Sudan, aus Darfur, das bekannt ist für Völkermord und Verfolgung. Mit 16 Jahren musste er fliehen, seitdem hat er nichts mehr gehört von den Eltern und den sieben Geschwistern.

Er war im Gefängnis und in vielerlei Gefahren, er hat weite Wege durch endlose Wüsten zurückgelegt, bis er vor fünf Jahren auf dem Sinai über die Grenze nach Israel geschleust wurde. Als Tellerwäscher und Koch hat er sich durchgeschlagen im Verborgenen. Mit 24 Jahren hat er ein Leben hinter sich, das reich ist allein an Rückschlägen. Und vor sich hat er nichts als eine Wand von Drohungen.

Israels Politiker hetzen gegen Flüchtlinge

Er und die 60.000 aus dem Schatten des Landes sind plötzlich ins gleißende Licht der öffentlichen Debatten gezerrt worden. Von Flüchtlingen spricht dabei kaum mehr einer, auch nicht von Asylbewerbern oder Migranten. Für die Presse und für die Politiker sind sie nur die Mistanenim, die Eindringlinge. Premierminister Benjamin Netanjahu warnt vor einer "Überflutung" und sieht bereits "den jüdischen Charakter Israels in Gefahr". Sein Justizminister spricht von einer "nationalen Plage", eine Abgeordnete seiner Likud-Partei von einem "Krebsgeschwür in unserem Körper".

Doch niemand soll in dieser Frage Eli Jischai überflügeln. Der Innenminister von der ultra-orthodoxen Schas-Partei heizt die Stimmung an mit Gruselgeschichten über HIV-infizierte Afrikaner. Er droht, alle Flüchtlinge einzusperren und verspricht, schon in einem Jahr wäre kein einziger mehr im Land, wenn man ihm nur die nötigen Instrumente an die Hand gäbe.

"Jischai blufft doch nur", sagt Segal Rosen, doch sie sieht dabei nicht so aus, als würde sie das beruhigen. Vielmehr hält sie die Politik der Regierung in Jerusalem für brandgefährlich. Jeden Tag ist sie als Mitarbeiterin einer Menschenrechtsorganisation, der "Hotline für Wanderarbeiter", rund um den Levinsky-Park im Einsatz. Sie kennt die Lage und auch die Rechtslage, sie weiß, "dass es bei einem Großteil der Flüchtlinge unmöglich ist, sie zu deportieren, weil in Ländern wie Sudan und Eritrea ihr Leben in Gefahr ist". Aber sie sieht auch, welche Ängste die Debatte nährt bei den Flüchtlingen und welche Wut sie schürt bei vielen Israelis.

Tatsächlich steht Israel derzeit weit mehr im Fokus der weltweiten Flüchtlingsbewegungen als Europa. Schließlich ist es der einzige westliche Industriestaat, den die Afrikaner auf dem Landweg erreichen können. Doch wenn sie die Grenze mit Hilfe beduinischer Schlepperbanden überschritten haben, bleibt ihnen keine andere Wahl als der Weg in den Untergrund. Der Staat gewährt keinerlei Hilfe, sie bekommen keine Arbeitserlaubnis, und Asylanträge werden nur in Ausnahmefällen überhaupt angenommen.

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