Afrika Wenn die Natur zuschlägt, trifft sie Mosambik besonders hart

Trotz großer Gas- und Kohlevorkommen ist das Land eines der ärmsten der Welt. Auf Katastrophen wie Zyklon "Idai" ist es nicht vorbereitet.

Von Anna Reuß, Berlin

Im vergangenen Jahr war es eine Dürre, die Mosambik mürbe machte. Nun sind es die Überschwemmungen, die der Zyklon Idai brachte und die eine Fläche so groß wie Luxemburg in insgesamt drei Staaten unter sich begruben. Mosambik, mit seiner langen Küste, hat es am schwersten getroffen. Das Land ist in dieser Krise auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Trotz großer Gas- und Kohlevorkommen ist Mosambik eines der ärmsten Länder der Welt.

Ein "Cocktail" aus politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen sei der Grund, weshalb Mosambik trotz seines Ressourcenreichtums eines der am schlechtesten entwickelten Länder ist, sagt Aslak Jangård Orre. Der Politikwissenschaftler hat in Mosambik gelebt und forscht am Christian-Michelsen-Institut in Norwegen. Der Großteil der Bevölkerung Mosambiks lebe in ländlichen Gebieten mit schlechter Infrastruktur und betreibe Landwirtschaft nur für den eigenen Bedarf. Die Ernteausfälle könnten diese Menschen nun ihre Existenz kosten. Ein armer Staat sei grundsätzlich anfälliger für Naturkatastrophen als westliche Industriestaaten, sagt Orre. Die Regierung habe sich zudem für eine Entwicklungsstrategie entschieden, die sich auf Megaprojekte, etwa im Kohleabbau, konzentriere. Von den Direktinvestitionen aus dem Ausland sei bei der breiten Bevölkerung kaum etwas angekommen, stattdessen habe sich eine kleine Gruppe bereichert.

Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975 sei Mosambik de facto noch immer ein Ein-Parteien-Staat, in dem führende Mitglieder der Regierungspartei Frelimo die politische und wirtschaftliche Elite bilden, sagt Orre. Die aus einer Befreiungsbewegung hervorgegangene Partei gewann seit der Staatsgründung alle Wahlen. Sie profitiert davon, dass es keine echte Gewaltenteilung gibt und die demokratischen Institutionen schwach sind. Der fast zwei Jahrzehnte andauernde Bürgerkrieg stürzte das Land bis in die Neunzigerjahre in eine innenpolitische Krise. 2013 brach der Konflikt erneut aus und endete drei Jahre später in einer fragilen Waffenruhe. Die größte Oppositionspartei Renamo stand Frelimo im Krieg als Gegner an den Waffen gegenüber.

Bildung und Gesundheitssystem sind unzureichend, den Norden terrorisieren Islamisten

Im Jahr 2016 war Mosambik praktisch bankrott: Die damalige Regierung hatte geheime Kredite von mehr als zwei Milliarden US-Dollar an mosambikanische Unternehmen autorisiert. Die Darlehen waren nur möglich, weil Regierungsbeamte rechtswidrige Garantien unterzeichnet hatten, die sicherstellten, dass der Staat im Falle eines Konkurses die volle Verantwortung übernimmt. Daraufhin stoppten viele Länder, auch Deutschland, ihre Unterstützung für Mosambik. Die grassierende Korruption habe auch nach dem Zyklon Idai im Ausland Misstrauen hervorgerufen, ob der Staat alleine in der Lage sei, die Hilfszahlungen zu verteilen, sagt Orre.

Seit zwei Jahren terrorisieren zudem bewaffnete Islamisten im Norden des Landes die Bevölkerung. Genau dort, wo Erdgas entdeckt wurde und Offshore-Projekte die Hoffnung auf Wohlstand weckten, verübte die Gruppe al-Shabaab - die keine formellen Verbindungen zu der gleichnamigen Terrorgruppe in Somalia hat - immer wieder Anschläge. "Die Regierung versucht, sie zu bekämpfen, hat dabei allerdings keinen Erfolg", sagt Orre.

Zum Terrorismus im Norden kommen soziale Probleme, verursacht durch ein unzureichendes Bildungs- und Gesundheitssystem und hohe Jugendarbeitslosigkeit. Verschiedene Konflikte und wirtschaftliche Fehlentwicklungen bedingen sich gegenseitig und führten Mosambik schließlich in die Situation, in der es kaum auf die starken Überschwemmungen vorbereitet war. Allerdings könne die schwache Regierung kaum dafür verantwortlich gemacht werden. Der Zyklon sei eine Folge des Klimawandels gewesen und weit über das Ausmaß früherer Naturkatastrophen hinausgegangen, sagt Orre. Die Verantwortung dafür trügen nicht die armen, sondern die reichen Staaten.