Wie es denn so sei, in Afrika, das werde ich so häufig gefragt, dass ich darauf nach zwei Jahren als Korrespondent eigentlich eine gute Antwort haben müsste. Etwas Knackiges, Schlagfertiges, Selbstironisches. So wie der amerikanische Reporter Gay Talese, der seinen Beruf als „hohe Kunst des Herumhängens“ bezeichnete. Meine Antworten fallen dagegen eher schlicht aus. Aufregend! Interessant! Oder: Wo soll ich anfangen?
Vielleicht sollte ich mit einem Gefühl anfangen, das mich auf meinen Reisen immer wieder überfällt, vorzugsweise wenn ich auf dem Rückweg von einer Recherche erschöpft im Auto sitze und aus dem Fenster starre: Unglaublich, dass ich das wirklich erlebe. Unglaublich, dass ich gerade durch Somaliland fahre, durch Lesotho oder durch Niger. Unglaublich, dass ich gerade frühere Boko-Haram-Kämpfer interviewt habe. Unglaublich, dass ich gerade zwei Tage mit Jägern und Sammlern in Kongo verbracht habe, die dabei sind, sesshaft zu werden. Unglaublich, dass das mein Job ist.
Und es stimmt ja: Es ist ein unglaublicher Job, ganz objektiv. Als Afrika- oder genauer: Subsahara-Afrika-Korrespondent bin ich für nicht weniger als 49 Länder zuständig. Und treffe auf meinen Reisen Menschen, die mir, einem fremden Europäer, ihre Geschichten erzählen, ohne dass sie etwas davon hätten, in einer Sprache, für die ich in den meisten Fällen einen Übersetzer brauche, damit ich diese Geschichten dann in eine deutsche Zeitung schreibe. Bildet man so die afrikanische Wirklichkeit ab? Ich würde sagen: Wenn es gut läuft, nähert man sich ihr an. Aber das ist ja schon eine Menge.
Wie ist es also, hier in Afrika? Aufregend. Interessant. Und immer wieder überwältigend. Unterm Strich: der wahrscheinlich beste Job der Welt.

