Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dafür gestimmt, die traditionelle Weltkarte durch eine neue Version zu ersetzen, die die Größe Afrikas präziser darstellt. Für die von Togo eingebrachte und von Mitgliedern der Afrikanischen Union unterstützte Resolution „Correct the map“ votierten 164 Staaten, 6 Länder enthielten sich, die USA stimmten als einzige Nation dagegen. Das Abstimmungsergebnis ist nicht bindend, soll aber weltweit zu Änderungen an Karten führen.
Die bis heute international am häufigsten verwendete Weltkarte beruht auf der sogenannten Mercator-Projektion. Diese wurde laut Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) im Jahr 1569 von dem Kartographen Gerardus Mercator für die Seefahrt entwickelt. Ihr Vorteil: Sie ist winkeltreu – gibt also Richtungen korrekt wieder. Die Größe der Länder stellt sie jedoch nicht flächentreu dar, sondern verzerrt. In manchen Entwürfen erscheint Grönland beispielsweise so groß wie der gesamte Kontinent Afrika. Betrachtet man hingegen einen Globus, fällt auf: Afrika ist um ein Vielfaches größer – die Fläche des Kontinents ist fast 14-mal so groß wie die von Grönland.
Bisherige Darstellung verzerrt und deshalb kleiner
Alle Flächen werden bei dieser üblichen Projektion umso größer, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Schließlich wird die dreidimensionale Erde, die eigentlich fast kugelförmig ist, auf eine zweidimensionale, rechteckige Fläche projiziert.
Für die zweidimensionale, flache Abbildung der Erdoberfläche gibt es keine perfekte Lösung, nur Kompromisse und Annäherungen. Der deutsche Kartograf Arno Peters propagierte seit den 1970er-Jahren eine angeblich besonders gerechte Karte – die Gall-Peters-Projektion –, die 2017 auch Aufnahme in den Schulen der Stadt Boston fand. Unter Kartografen ist sie aber umstritten, weil sie die Größe von Ländern und Kontinenten zwar gut wiedergibt, aber ihre Formen stark verzerrt. Die nun von den Vereinten Nationen offiziell bevorzugte „Equal Earth“-Weltkarte wurde 2018 vorgestellt. Ihr Ziel ist es, die Flächentreue der Gall-Peters-Projektion beizubehalten, aber gleichzeitig ästhetischen Ansprüchen zu genügen. Winkel und Distanzen stellt allerdings auch sie nicht präzise dar. Daher ist sie etwa für die Navigation nicht geeignet.
Der Außenminister Togos, Robert Dussey, schrieb nach der Abstimmung auf der Plattform X: „Historischer Moment: Die Welt hat sich für eine Korrektur der Karte entschieden.“ Die Entscheidung gehe weit über reine Kartographie hinaus. „Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung und darum, wie wir unsere Welt darstellen.“ Zu lange hätten überlieferte kartografische Darstellungen die Wahrnehmung der tatsächlichen Größe Afrikas und anderer Regionen der Welt verzerrt. „Die Karte zu korrigieren bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir die Welt sehen.“
USA lehnen „radikales, ideologisches“ Vorhaben ab
Die USA lehnten die Resolution als einziges Land ab. Sie bezeichneten die Initiative als Teil eines radikalen ideologischen Projekts. Die Resolution verbietet die Mercator-Projektionen zwar nicht, ruft Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und Technologieunternehmen aber dazu auf, die „Equal Earth“-Projektion und andere flächengetreue Karten zu verwenden, wenn es auf relative Größenverhältnisse ankommt. Die UN-Mitgliedstaaten sollen demnach zur Verbreitung der „Equal Earth“-Weltkarte und zur Förderung kartografischen Grundwissens „ermutigt“ oder „eingeladen“ werden, etwa in Bezug auf die Verwendung im Schulunterricht.
Togos Außenminister Dussey sagte, dass die UN-Resolution „die Verwendung der Mercator-Projektion für die Schifffahrt und Luftfahrt in keiner Weise in Frage stellt“. Dafür sei sie „weiterhin voll geeignet“. Sein Land werde aber nun dazu übergehen, etwa die Geografiebücher für den Schulunterricht umgehend zu ändern.

