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Afrika:Klischees des Weißen Mannes

Eine Stellenanzeige der "New York Times" schockiert viele Afrikaner.

Für viele Menschen in Kenia las sich die Stellenanzeige so, als seien David Livingstone und Henry Morton Stanley wieder am Leben und auf der Suche nach Fußvolk für eine neue Expedition durch Afrika: "Von den Wüsten des Sudan und den Piraten-Gewässern am Horn von Afrika, durch die Wälder des Kongo bis an die Küsten von Tansania" reiche das Einsatzgebiet ihres neuen Ostafrikakorrespondenten, verkündete die New York Times in einer Stellenanzeige. Der ideale Kandidat sei in der Lage, über "Terrorismus, den Wettlauf um Ressourcen, den globalen Wettkampf mit China und das ständige Hin und Her zwischen Demokratie und Autoritarismus" zu berichten. Hin und wieder bestehe sogar die Möglichkeit, "den Leser mit einer unerwarteten Geschichte der Hoffnung zu beglücken".

Vor allem der letzte Satz brachte viele Kenianer auf die Palme, um gleich einmal im Klischeebild zu bleiben. In den sozialen Medien hagelte es Kritik am einseitigen Bild Ostafrikas und des gesamten Kontinents. Viele Kenianer fragten: Wo bleiben unsere Erfolgsgeschichten? Beispiele gäbe es genug: etwa das revolutionäre mobile Bezahlsystem M-Pesa, das in Kenia erdacht wurde und nun international Erfolge feiert; oder die rasante Elektrifizierung des Landes und die neue Eisenbahnlinie an die Küste. Schließlich entschuldigte sich die New York Times und bat die Leser in Afrika darum, den Korrespondenten an seinen Geschichten zu messen und nicht anhand der Stellenanzeige.

Das tun viele Afrikaner nun schon seit einigen Jahren. Durch die Verbreitung des Internets sind sie nicht mehr nur passive Objekte, die nur schwer erfahren können, was in der Ferne über sie geschrieben wird. Sie lesen mit und haben eine Meinung zu den Stereotypen, die oft über Afrika verbreitet werden. Und die womöglich eher zu- als abnehmen. Immer mehr Medienunternehmen können sich keine eigenen Korrespondenten mehr leisten. Große Stiftungen wie die Gates Foundation springen ein, zahlen pro Jahr bis zu 600 Millionen Dollar an lokale und internationale Medien, die über Afrika berichten. Mit zwiespältigen Resultaten, wie eine Studie der University of East Anglia herausfand. Viele Recherchen würden sich auf ein sehr "spezifisches Themengebiet" konzentrieren, das sich oft mit dem Arbeitsschwerpunkt der Stiftungen decke. Nicht selten kommen Afrikaner in diesen Geschichten nur als Opfer vor.

Der kürzlich verstorbene Schriftsteller Binyavanga Wainaina veröffentlichte bereits 2005 die Satire "Wie man über Afrika schreibt", einen Ratgeber für potenzielle Autoren: "Behandele Afrika in deinem Text, als wäre es ein Land. Es ist heiß und staubig mit hügeligen Graslandschaften und riesigen Tierherden, mit großen, schlanken Menschen, die hungern. Oder es ist heiß und schwül, mit kleinen Menschen, die Primaten essen." Ein paar Jahre später warnte die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie vor der Gefahr, Afrika auf eine einzige Katastrophe zu reduzieren. Ihre Zimmergenossin an einer US-Universität sei schockiert gewesen, als sie merkte, dass Adichie gut Englisch spricht und Mariah Carey hört anstatt Buschtrommeln: "Ich tat ihr schon leid, bevor sie mich das erste Mal sah", sagte Adichie.

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