Afrika Das Mittelmeer wird für Flüchtlinge aus Afrika noch lange ein Alptraum bleiben

Ein Flüchtlingsboot kentert vor der libyschen Küste.

(Foto: Italian Navy/dpa)

Innenminister de Maizière würde gerne schon an Afrikas Küsten entscheiden, welche Flüchtlinge aufgenommen werden. Doch Europa kann sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen.

Kommentar von Jan Bielicki

Afrika kann ein Traumland sein. Nicht für die Menschen, die vor Unterdrückung, Krieg und Armut auf dem Kontinent Richtung Europa fliehen. Aber für den Bundesinnenminister, der aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge gerne wieder zu jenen Küsten zurückschicken lassen würde, an denen sie zu ihrer gefährlichen Überfahrt aufgebrochen waren. Seinen Vorschlag hat Thomas de Maizière oft wiederholt, ebenso regelmäßig wiederholt sich die Kritik daran.

Seine Idee ist ambivalent. Einerseits besteht durchaus die Gefahr, dass sich die Festung Europa in Nordafrika nur eine Barbakane baut, wie sie die Burgenbauer des Mittelalters vor ungeschützte Tore stellten. Andererseits wäre angesichts Tausender Toter auf dem Meer natürlich zu wünschen, dass Menschen gar nicht erst in die maroden Boote der Schleuser steigen müssten, um in Sicherheit zu gelangen. Es könnte helfen, die Entscheidung über Aufnahme oder Nichtaufnahme bereits an Afrikas Küsten zu treffen.

Jedoch nur unter Bedingungen: Wenn es denn eine sichere und menschenwürdige Aufnahme für Flüchtlinge in den Transitländern Nordafrikas gäbe; wenn denn Europa bereit wäre, nicht nur wenigen Auserwählten sichere und legale Wege über das Meer zu öffnen; wenn die EU überhaupt zu so etwas wie gemeinsamer Flüchtlingspolitik finden könnte. Allzu viele Wenns - das Mittelmeer wird für viele noch lange ein Albtraum bleiben.

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