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Coronavirus in Afrika:Ungeschützt bis 2024

Die Seuche ist real, die Hoffnung, bald geimpft zu werden, ist weniger realistisch in den meisten afrikanischen Ländern: Szene in einem Slum in Kenias Kapitale Nairobi.

(Foto: Brian Inganga/AP)

Zwei Drittel der Menschen weltweit müssen auf eine Impfung voraussichtlich noch bis zu drei Jahre warten. Besonders auf dem afrikanischen Kontinent wird es dauern.

Von Anna Reuß

Spätestens Ende Oktober begann Ägyptens Kampf gegen die zweite Welle. Tausende waren bereits an Covid-19 gestorben, und viele Verdachtsfälle konnten nicht zweifelsfrei geklärt werden, weil im Land bis heute zu wenig getestet wird. Das Auswärtige Amt warnt Reisende vor "einer hohen Dunkelziffer" sowie "unverändert hohen Infektionszahlen".

Für Präsident Abdel Fattah al-Sisi nicht nur Grund genug, das Volk auf strengere Maßnahmen einzuschwören, sondern auch Ärzte verhaften und wegen Terrorismus anklagen zu lassen, weil diese sich etwa über fehlende PCR-Tests beschwert hatten. So wirkte es fast zynisch, als al-Sisi sagte, die Menschen sollten nicht in Panik geraten: "Der wahre Impfstoff ist das Bewusstsein im Umgang mit der Epidemie."

Zumindest einige Ägypter müssen sich damit nicht zufriedengeben: Laut der staatlichen Zeitung Al-Ahram sollen bis Ende Dezember 100 000 Dosen des chinesischen Sinopharm-Vakzins geliefert werden. Das ist verglichen mit anderen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent früh. Viele Menschen fürchten dort, dass sie im globalen Verteilungskampf zu kurz kommen werden. Es sei, "schrecklich zu sehen", dass reiche Länder Impfstoffe erhielten, während afrikanische Länder darauf verzichten müssten, sagte John Nkengasong, Leiter der Afrika-Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (Africa CDC), einer Organisation der Afrikanischen Union.

Schon im Sommer hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf dieses Problem hingewiesen, es gebe "besorgniserregende Anzeichen" dafür, dass afrikanische Staaten die "Letzten in der Schlange" der Länder sein werden, die auf einen Impfstoff warten.

In Kriegs- und Konfliktgebieten könnten 60 Millionen Menschen gar nicht geimpft werden

Zwar navigierten die meisten Staaten südlich der Sahara erfolgreicher durch die Pandemie als viele europäische oder amerikanische. Doch hat offenbar auch in Afrika eine zweite Welle begonnen. Einer Reuters-Zählung vor einer Woche zufolge hatten sich bis dahin mehr als 2,5 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Binnen 30 Tagen seien 454 000 Infektionen dazugekommen.

Vor allem in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, Mauretanien, Ghana und der Elfenbeinküste stiegen die Fallzahlen demnach zuletzt deutlich. Südafrika, wo es eine neue Variante des Virus gibt, meldete an den Weihnachtstagen Höchstzahlen Neuinfizierter, fast 15 000 kamen zuletzt am Tag hinzu, mehr als 983 000 Fälle sind insgesamt registriert.

Wie in Südafrika kursiert auch in Nigeria eine neue Variante des Virus, dort sind binnen einer Woche 20 Ärzte an Covid-19 verstorben. Die Africa CDC hatten zu Beginn des Winters vor einem Anstieg der Infektionszahlen gewarnt, denn einige Staaten hatten Sperrstunden oder Schulschließungen wieder teilweise gelockert.

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