Afghanistan Wenn Feinde nach dem Fasten feiern

Taliban und Regierungssoldaten nutzen einen Waffenstillstand am Ende des Fastenmonats Ramadan zu Verbrüderungen - doch bald werden diese Friedensgesten wieder enden.

Von Tomas Avenarius

In den Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs ließen Briten und Deutsche an Heiligabend manchmal die Waffen ruhen, die Feinde aßen und tranken friedlich zusammen in ihren Unterständen zwischen den Fronten - um sich danach wieder gegenseitig umzubringen. Nicht so viel anders ging es dieses Jahr beim Id al-Fitr in Afghanistan zu, dem Fest des Fastenbrechens: Taliban-Kämpfer und Regierungssoldaten lagen sich zur Begeisterung der Menschen in Städten und Dörfern in den Armen, feierten drei Tage lang gemeinsam das Ende des heiligen Fastenmonats Ramadan. Die Regierung bot den Taliban ärztliche Hilfe für Verwundete an, öffnete die Gefängnisse für Besuche der Verwandten inhaftierter Kämpfer. Präsident Aschraf Ghani erklärte sich zu umfassenden Friedensgesprächen bereit, die USA sprachen ihm die Unterstützung aus. Wirklich kompromissbereit sind die Gegner in Afghanistan dann aber doch nicht: Die Taliban, die schon seit Mitte der 90er-Jahre kämpfen, wiesen Ghanis Angebot zurück: Die Islamisten wollen nach dem brüderlichen Id-Fest weiterschießen. Und Anhänger der Terrormiliz IS attackierten gar die gemeinsamen Feiern - allein am Sonntag starben zehn Menschen bei einem Anschlag.