KonfliktPakistan spricht von „offenem Krieg“ mit Afghanistan

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Pakistanische Soldaten auf Patrouille an der Grenze zu Afghanistan.
Pakistanische Soldaten auf Patrouille an der Grenze zu Afghanistan. Abdul Basit/AFP

Islamabad wirft den regierenden Taliban in Afghanistan vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Jetzt ist der Konflikt eskaliert, nach Angriffen melden beide Seiten hohe Verluste.

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Pakistan hat in der Nacht zum Freitag militärische Einrichtungen in Afghanistan angegriffen. Das teilten pakistanische Offizielle und Taliban-Vertreter mit. Ein Zeuge der Angriffe sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in der Hauptstadt Kabul seien Explosionen und Sirenen zu hören. Auch in der afghanischen Provinz Kandahar, die als politisches und spirituelles Machtzentrum der Taliban gilt, gab es Luftschläge. Pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge hat es Luft- und Bodenangriffe gegen Posten, Hauptquartiere und Munitionsdepots der Taliban entlang der Grenze gegeben.

Beide Seiten meldeten Verluste. Es ist die schwerste Eskalation zwischen den ‌Nachbarländern seit Monaten.

Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif bezeichnete den Konflikt mit dem Nachbarland sogar als „offenen Krieg“. Sein Land habe darauf gehofft, dass sich die islamistischen Taliban, die im August 2021 die Macht in Afghanistan wiedererlangt hatten, auf die Interessen des Volkes und Frieden in der Region konzentrieren würden, schrieb Asif auf der Plattform X. Doch die Taliban seien ein Stellvertreter Indiens geworden – des Erzrivalen Pakistans. „Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg“, schrieb Asif. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb auf X, sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen.

Bereits am vergangenen Wochenende hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen, am Mittwochabend schlugen die Taliban mit einer Offensive auf militärische Stellungen zurück. Der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Zabiullah Mudschahid, sagte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag: „Wenn sie den Krieg fortführen, haben wir die Kraft, die Einsätze weiterzuführen.“ Islamabad habe Afghanistan wiederholt unter Vorwänden angegriffen und gegen internationales Recht verstoßen.

Mudschahid sprach von 55 getöteten pakistanischen Soldaten und acht getöteten Taliban-Kämpfern. Zudem seien 13 Zivilisten verletzt worden, auch Frauen und Kinder. Die pakistanische Regierung berichtete wiederum, dass bei ihren Militärschlägen 133 ‌Kämpfer der afghanischen ‌Taliban getötet und mehr als 200 verletzt worden seien. Die genannten Zahlen gehen also stark auseinander, sie lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Pakistan bezeichnet die Terrorgruppen als Stellvertreter seines Erzrivalen Indien

Grund für den Konflikt: Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), bekannt als pakistanische Taliban, und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge 2025 auf fast 700. Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die pakistanischen Taliban unterstütze.

Die afghanischen Taliban bestreiten das. Ihr Sprecher Mudschahid sagte, die TTP sei „Pakistans internes Sicherheitsproblem, das schon seit Jahren besteht und nichts mit Afghanistan zu tun hat.“

Pakistan bezeichnet Terrorgruppen, die Anschläge verüben, auch immer wieder als Stellvertreter seines Erzrivalen Indien. Indien wies die Vorwürfe in der Vergangenheit zurück. Das Land baute zuletzt seine Beziehungen zu den afghanischen Taliban aus. Im Oktober stufte Indien die eigene Repräsentanz in Kabul zur Botschaft hoch.

Militärisch ist Pakistan Afghanistan weit überlegen. Allerdings verfügen die afghanischen Taliban über viel Erfahrung im Guerillakrieg. Sie haben Jahrzehnte gegen US-geführte Truppen gekämpft, bevor ‌sie in Kabul wieder an die Macht kamen. Russland ist das einzige Land, das die Taliban-Regierung offiziell anerkennt. Die Regierung in Moskau rief russischen Staatsmedien zufolge zu einer Einstellung der Kämpfe auf und bot Vermittlungen an.

China fordert eine schnelle Feuerpause

Auch China ruft zu einem raschen Dialog auf. „Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts und zutiefst bestürzt über die dadurch verursachten Toten und Verletzten“, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking. China grenzt an beide Konfliktländer und unterhält sowohl zur Taliban-Regierung in Afghanistan als auch zu Pakistan gute Beziehungen, vor allem über Wirtschaftskooperationen. Nach Pakistan exportiert die Volksrepublik auch Waffen. UN-Generalsekretär António Guterres forderte ebenfalls eine Deeskalation. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischen Weg beizulegen.

Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut UN-Angaben kamen damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen ums Leben. Vermittlungen für einen nachhaltigen Frieden waren nach den Gefechten und Angriffen gescheitert. Die Nachbarländer teilen sich eine etwa 2400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.

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