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Afghanistan:Säureangriffe auf Schülerinnen

Unbekannte haben im südafghanischen Kandahar 15 Mädchen mit Säure angegriffen und drei von ihnen schwer verletzt.

Unbekannte haben in der südafghanischen Stadt Kandahar 15 Schülerinnen angegriffen und mit Säure verletzt, drei von ihnen schwer. Wie ein Sprecher des afghanischen Bildungsministeriums mitteilte, geschah der Angriff am Vormittag in der Nähe einer Mädchenoberschule.

Eines der Opfer, eine 16-jährige Schülerin, sagte, zwei Männer auf Motorrädern hätten neben ihr und ihrer Schwester auf dem Schulweg gestoppt und ihnen mit einer Wasserpistole Säure ins Gesicht gespritzt.

Die Männer konnten fliehen. Die Mädchen trugen den Ganzkörperschleier Burka, der auch das Gesicht verdeckt. "Kandahar ist nicht sicher. Aber wir können nicht zu Hause bleiben, wir wollen Bildung", sagte die 16-Jährige. "Wir brauchen die Hilfe der Regierung."

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Säure-Anschlag. Unter der Herrschaft der radikalislamischen Taliban zwischen 1996 und 2001 war Mädchen in Afghanistan der Schulbesuch untersagt.

Bei einem Selbstmordanschlag auf Provinzrats-Politiker in der südafghanischen Stadt Kandahar sind unterdessen nach Regierungsangaben mindestens sechs Zivilisten getötet worden. 43 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die afghanische Regierung mit.

Die britische BBC berichtete, der Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, Ahmed Wali Karsai, habe die Sitzung des Rates der Provinz Kandahar geleitet, als sich ein Attentäter nahe dem Regierungsgebäude mit einem Auto in die Luft sprengte. Ahmed Wali Karsai blieb unverletzt. Der BBC sagte er, es habe sich um eine "feige Tat" der Taliban gehandelt.

Präsident Hamid Karsai, der zur Zeit an einer UN-Konferenz in New York zum Thema "Kultur für Frieden" teilnimmt, verurteilte den Selbstmordanschlag und den Säureangriff scharf. Es handele sich um "skrupellose Taten der Feinde von Frieden und Wohlstand in Afghanistan". So umschreiben afghanische Behörden Aufständische wie die Taliban. Kandahar ist eine Hochburg der radikalislamischen Taliban. Die Zahl der Gewalttaten in Afghanistan hat in diesem Jahr ein Niveau erreicht wie seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban durch US-geführte Truppen Ende 2001 nicht mehr.

© AFP/dpa/Reuters/ihe
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