Afghanistan:Rettungsmission in Kabul endet kommende Woche

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Afghanistan: Afghanen in Kabul auf dem Weg zu US-Militärmaschinen.

Afghanen in Kabul auf dem Weg zu US-Militärmaschinen.

(Foto: Sgt. Samuel Ruiz/AP)

Die Taliban beharren auf dem festgelegten Datum - und verschärfen die Regeln für Afghanen. Die USA erklären, sich an die Abmachung zu halten. Und einige Europäer wollen schon früher abziehen.

Von Björn Finke, Nico Fried und Alexander Mühlauer

Die USA halten vorerst an ihrem Ziel fest, ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen. Das erklärte das Weiße Haus am Dienstag nach einer Videoschalte der Staats- und Regierungschefs der führenden westlichen Industrienationen (G 7). Präsident Joe Biden habe seinen Kollegen erklärt, dass der US-Einsatz gemessen am jetzigen Fortschritt bis 31. August planmäßig beendet werden könne, hieß es. Er habe außerdem das Verteidigungsministerium und das Außenministerium um Alternativ-Pläne gebeten, um den Zeitpunkt des Abzugs notfalls noch ändern zu können. Zuvor hatte insbesondere Großbritannien, das derzeit den G-7-Vorsitz innehat, die USA aufgefordert, die Rettungsmission für gefährdete Menschen über den 31. August hinaus weiterzuführen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, es sei klar, dass die Evakuierungen ohne den Schutz der Amerikaner nicht fortgesetzt werden könnten. "Wir dürfen unsere Soldaten keinem unangemessenen Risiko aussetzen." Es gehe nun um die Frage: "Wie können wir sicherstellen, dass möglichst auch danach Ortskräfte und Schutzbedürftige das Land verlassen können?" Deshalb werde nun "sehr intensiv darüber gesprochen", ob man auf dem Flughafen von Kabul wieder zivilen Luftverkehr ermöglichen könne.

Der britische Premierminister Boris Johnson forderte die Taliban auf, Ausreisewilligen auch nach dem Abzug westlicher Truppen aus Afghanistan freies Geleit zu gewähren. Zu der von ihm geforderten Verlängerung des Rettungseinsatzes äußerte sich Johnson nach der Videoschalte nicht.

Derzeit werden täglich Tausende Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Der Flughafen ist der einzige Teil des Landes, der noch unter der Kontrolle der westlichen Militärallianz steht. Doch die Zeit, um Menschen in Sicherheit zu bringen, wird knapp. Ende des Monats sollen alle ausländischen Truppen das Land verlassen haben. Die Taliban kündigten an, dass sie eine Verlängerung der Mission nicht akzeptieren würden. Kritiker warnen, bis zum Monatsende könnten nicht alle Menschen ausgeflogen werden, die Schutz vor den Islamisten suchen.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte, dass man die Weigerung der Taliban "sehr sehr ernst nehmen" sollte. Sie könne nur schwer einschätzen, was passieren würde, wenn die USA die Rettungsflüge dennoch fortsetzten. Ob die Taliban in den Verhandlungen mit dem Westen nur den Preis hochtreiben wollten oder ob es "ganz hart" kommen könne, müssten die Experten jetzt genau abwägen. Die Washington Post berichtete, dass CIA-Chef William Burns den Anführer der Taliban, Abdul Ghani Baradar, am Montag zu einem Gespräch in Kabul getroffen hat.

Eine Fortsetzung der Rettungsflüge ohne Unterstützung der USA gilt als undenkbar

Das Weiße Haus teilte am Dienstag mit, dass die westliche Militärallianz seit Mitte August etwa 58 700 Menschen mit Hilfe der USA evakuiert habe. Die französische Regierung erklärte, die Luftbrücke bereits am Donnerstag zu beenden, wenn die USA sich wie angekündigt am 31. August zurückzögen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass die anderen europäischen Verbündeten diesem Schritt gegen Ende dieser Woche folgen dürften.

Große Sorge bereitet der westlichen Militärallianz die Sicherheitslage in Afghanistan. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte, dass die Risiken bei dem Einsatz immer höher würden. Terrorgruppen wie der Islamische Staat seien darauf aus, den Westen aus Afghanistan hinauszujagen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, dass künftige Entwicklungshilfe an strikte Bedingungen geknüpft sein müsse, wie die Beachtung der Menschenrechte. Die Kommission habe eine Milliarde Euro, die über die kommenden Jahre fließen sollte, eingefroren; das Geld werde erst freigegeben, wenn es von den Taliban "solide Garantien und glaubhafte Taten" gebe. Alle Staaten, die an den Missionen teilgenommen hätten, müssten nun Flüchtlinge aufnehmen, weltweite Zusammenarbeit sei nötig.

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