Afghanistan Obama macht Druck

US-Präsident Obama macht einen überraschenden Blitzbesuch in Kabul - und drängt den afghanischen Kollegen Karsai zu mehr Einsatz im Kampf gegen die Korruption.

Von Christian Wernicke, Washington

Präsident Barack Obama erhöht den Druck auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, die Korruption und den Handel mit Heroin zu bekämpfen. Bei einem völlig überraschenden Blitzbesuch in Kabul forderte Obama zudem von Karsai, er solle in seiner Regierung keine Provinzfürsten oder Warlords dulden, die für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.

Nach dem Gespräch lobte Obama jüngste militärische Erfolge der US-Truppen und sagte: "Wir müssen aber auch Fortschritte an der zivilen Front machen." Nur so könne das Land zu mehr Sicherheit und Wohlstand gelangen. Das Gespräch dauerte 30 Minuten; ein Washingtoner Regierungsbeamter nannte es "sehr produktiv". Obama lud Karsai für den 12. Mai nach Washington ein.

Obama traf während seines nur wenige Stunden dauernden ersten Besuch als US-Präsident in der Nacht zum Montag zudem mit mehr als 2000 der inzwischen mehr als 100.000 US-Soldaten zusammen, die am Hindukusch aufständische Taliban bekämpfen. "Wir werden unseren Job erledigen", rief er den Soldaten zu, sagte aber auch, dass es Rückschläge geben könne.

In seiner 15-monatigen Amtszeit hat der Demokrat die Zahl der in Afghanistan mit der Nato kämpfenden US-Soldaten verdreifacht. Allein im Januar und Februar dieses Jahres waren 57 US-Soldaten gefallen, doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Aus Sicherheitsgründen hatte Washington die Reise bis zuletzt geheim gehalten. Nach einer Zwischenlandung auf dem US-Stützpunkt Bagram war Obama per Hubschrauber direkt zum Amtssitz Karsais geflogen. Jim Jones, der nationale Sicherheitsberater Obamas, erklärte, die beiden Präsidenten suchten nach "einer gemeinsamen Wellenlänge".

Im Umfeld der afghanischen Wahlen war es zu erheblichen Verstimmungen zwischen Karsai und der US-Regierung gekommen. Botschafter Karl Eikenberry hatte in vertraulichen Memos sogar gewarnt, auch mehr US-Soldaten könnten im Land wenig ausrichten, falls Karsai weiterhin eine korrupte Regierung ohne Vertrauen im Volk führe. Der afghanische Präsident bedankte sich nun "beim amerikanischen Volk für die Hilfe, die Amerika uns in den vergangenen Jahren gegeben hat."

Obama traf auch mit Nato-Kommandeur Stanley McChrystal zusammen. Er informierte sich über die alliierte Offensive im hart umkämpften Südosten des Landes. Beobachter erwarteten, dass McChrystal den Präsidenten über seine Pläne informieren wird, die Taliban aus ihrer bisherigen Hochburg in Kandahar zu vertreiben.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hielt sich in Kabul auf. Er informierte sich dort über die Polizeiausbildung und traf McChrystal und seinen afghanischen Kollegen Mohammed Hanif Atmar. Mit Blick auf die Polizeiausbildung sagte er, wichtig sei es, den deutschen Beitrag, den der Polizeimission Eupol, den der USA und der internationalen Gemeinschaft "zu intensivieren und zu koordinieren". Dann sei er optimistisch, dass in Afghanistan noch Erfolgsgeschichte geschrieben werde.