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Taliban jubeln:Hunderte fliehen aus Gefängnis in Kandahar

Spektakuläre Massenflucht in Afghanistan: Durch einen hunderte Meter langen Tunnel sind weit mehr als 400 Häftlinge aus einem Gefängnis in Kandahar ausgebrochen. Den Taliban zufolge waren mindestens hundert Kommandeure darunter - jetzt soll eine militärische Großfahndung starten.

Durch einen Fluchttunnel sind aus einem Gefängnis in der südafghanischen Stadt Kandahar in der Nacht zum Montag Hunderte Gefangene ausgebrochen, darunter zahlreiche Mitglieder der Taliban.

U.S. Army soldiers walk back to their base after a patrol in Arghandab Valley, north of Kandahar

US-Soldaten nahe Kandahar (Anfang April): Wie konnten die Taliban den Sicherheitskräften entwischen?

(Foto: REUTERS)

Der Direktor der Haftanstalt, Ghulam Dastageer Majar, sagte, nach seiner Kenntnis seien 476 "politische Gefangene" geflohen. Er gab an, der Tunnel habe eine Länge von mehreren hundert Metern. Er reiche aus dem Innern des Gefängnisses bis vor dessen südliche Außenmauern.

Ein Sprecher der Taliban, Kari Jussef Ahmadi, sprach von mehr als 500 Geflohenen und sagte, bei etwa 100 der geflohenen Häftlinge handele es sich um Taliban-Kommandeure. Zahlreiche weitere seien einfache Kämpfer der Organisation. Sie seien alle auf Stützpunkten der Islamisten "in Sicherheit" gebracht worden, sagte Ahmadi. Während des Massenausbruchs, der bereits am späten Sonntagabend begonnen habe, sei es nicht zu Kampfhandlungen gekommen. Die Länge des Tunnels bezifferte Ahmadi auf 360 Meter.

Die umkämpfte Provinz Kandahar ist eine Hochburg der Extremisten. Auch ihr stellvertretender Polizeichef bestätigte den Ausbruch, konnte jedoch keine konkrete Zahl von Flüchtigen nennen. Das Büro des Provinzgouverneurs von Kandahar teilte mit, nach den flüchtigen Gefangenen werde gefahndet.

Isaf bereit zu Hilfe

Die Nato-geführte internationale Isaf-Truppe in Afghanistan zeigte sich zu einer Beteiligung an der Suche nach den Häftlingen bereit. Ihr Sprecher Michael Johnson sagte in der afghanischen Hauptstadt Kabul jedoch, dass die Soldaten nur dann eingreifen könnten, wenn die afghanischen Behörden dies wünschten. Die Provinz Kandahar liegt an der Grenze zu Pakistan und ist eine Hochburg der radikalislamischen Taliban.

Trotz mehrerer Offensiven von Nato-Soldaten gegen Aufständische nahmen die Gewalttaten in der Provinz in den vergangenen Monaten zu. In der Provinz sind rund 130.000 Isaf-Soldaten stationiert. Etwa zwei Drittel davon sind US-Soldaten.

Die Flucht war der zweite große Ausbruch von Gefangenen aus dem Gefängnis von Kandahar innerhalb von drei Jahren. 2008 waren rund 1000 Häftlinge, darunter viele Taliban, aus der Anstalt geflohen. Damals sprengten Helfer mit Hilfe einer immensen Lastwagenbombe ein Tor des Gefängnisses auf und ermöglichten so die Flucht.