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Afghanistan:Familie stirbt bei Nato-Luftangriff

Ein Mann, seine Frau und ihre sechs Kinder sind bei einem Nato-Luftangriff in Afghanistan getötet worden, das Familienoberhaupt soll keine Verbindung zur Taliban gehabt haben. Zivile Opfer sorgen immer wieder für Spannungen zwischen Präsident Karsai und der Nato-Truppe.

Ein Nato-Luftangriff in der ostafghanischen Provinz Paktia hat nach Behördenangaben acht Mitglieder einer Familie das Leben gekostet. Die Eltern und alle ihre Kinder seien ums Leben gekommen, als ihr Haus in der Nacht zum Sonntag bombardiert worden sei, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Rohullah Samun. Die Nato kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

Ein Sprecher des Bündnisses erklärte, Koalitionstruppen hätten in Paktia eine Aktion gegen eine große Zahl Aufständische unternommen. Die Medienberichte über getötete Zivilpersonen seien der Nato bekannt, sagte Oberstleutnant Jimmie Cummings.

Gouverneurssprecher Samun erklärte, der getötete Mann sei kein Taliban gewesen. "Er war in keiner Oppositionsgruppe. Er war ein Dorfbewohner", sagte er weiter.

Der Tod von Zivilisten, die im Afghanistan-Krieg Opfer der Gewalt zwischen internationalen Truppen und Extremisten werden, gilt als Belastung für die Beziehungen zwischen der Regierung in Kabul und ihren internationalen Partnern. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der UN mehr als 3000 Zivilisten in Afghanistan getötet, 187 davon durch Nato-Luftangriffe.

Präsident Hamid Karsai hatte erst kürzlich erklärt, von Nato-Luftangriffen verursachte zivile Todesopfer könnten das gerade unterzeichnete Abkommen über eine strategische Partnerschaft mit den USA untergraben.

Die Isaf teilte unterdessen mit, dass bei mehreren Sprengstoffanschlägen am Samstag im Süden des Landes vier ihrer Soldaten getötet worden seien. Bei einem Einsatz in der nordafghanischen Provinz Kundus seien außerdem mehrere Taliban-Kämpfer getötet worden, berichtete die Schutztruppe weiter. In Kundus ist auch die Bundeswehr stationiert. Bei Einsätzen in anderen Landesteilen wurden nach Angaben der Isaf mehrere Aufständische gefangen genommen. Derzeit bereitet die Nato das Ende des vor elf Jahren begonnenen Kampfeinsatzes bis Ende 2014 vor.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/Reuters/fran/olkl
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