Afghanistan 29 Menschen sterben bei Anschlägen

Zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen wird Afghanistan von einer Reihe blutiger Anschläge erschüttert. Insgesamt wurden 29 Menschen getötet, darunter Frauen und Kinder.

Zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan sind bei einer Reihe blutiger Anschläge fast 30 Menschen getötet worden. Bei der Explosion eines Sprengsatzes im Süden Afghanistans starben bereits am Mittwoch 21 Menschen, die sich auf dem Weg zu einer Hochzeit befanden, bei drei anderen Anschlägen wurden weitere acht Menschen getötet. NATO-Generalsekretär Rasmussen setzte seinen Überraschungsbesuch fort.

Die 21 getöteten Zivilisten waren in der Unruheprovinz Helmand im Süden des Landes in einem von einem Traktor gezogenen Anhänger unterwegs, als ein am Straßenrand versteckter Sprengsatz detonierte. Bei den Toten handle es sich vor allem um Frauen und Kinder, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Fünf Menschen wurden demnach verletzt. Zu dem Anschlag, der erst am Donnerstag bekannt wurde, bekannte sich zunächst niemand.

Hochburg der Taliban

Es war der Anschlag mit den meisten Todesopfern in Afghanistan seit dem 9. Juli, als bei der Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens südlich von Kabul 25 Menschen getötet wurden, darunter zahlreiche Schüler. Zu diesem Anschlag hatten sich die Taliban bekannt.

Helmand ist eine Hochburg der aufständischen Taliban. Anfang Juli starteten die US-Streitkräfte und britische Truppen dort eine Großoffensive, unter anderem um vor den Wahlen am 20. August die Sicherheitslage zu verbessern. Die Taliban haben zum Boykott der Wahlen aufgerufen und angedroht, alle Straßen zu den Wahlbüros zu blockieren.

Ebenfalls in Helmand wurden am Donnerstag bei einem Sprengstoffanschlag fünf afghanische Polizisten getötet. Drei weitere wurden verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. Im Osten Afghanistans, auf der Strecke zwischen Kabul und Dschalalabad, geriet ein Lastwagenkonvoi mit Treibstoff für die internationalen Truppen in einen Hinterhalt der Aufständischen. Dabei wurden laut Innenministerium zwei Fahrer getötet, ein weiterer wurde verletzt.

Die Gewalt nimmt stetig zu

Bereits am Mittwoch wurde im Westen Afghanistans ein US-Soldat der Nato-Truppe Isaf bei einer Explosion getötet. Zuvor hatte die Patrouille des Getöteten Aufständische gestellt, die Sprengsätze verstecken wollten, wie die Nato am Donnerstag mitteilte. Die US-Armee bestätigte die Nationalität des getöteten Soldaten.

Die Gewalt hat in den Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan stetig zugenommen. Die vergangenen Wochen waren die blutigsten seit der US-geführten Invasion des Landes im Jahr 2001: Allein im Juli kamen laut der unabhängigen Internetseite icasualties.org 76 ausländische Soldaten ums Leben, im August waren es bislang zehn.

Dessen ungeachtet setzte der neu ernannte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen seinen Überraschungsbesuch in dem Land am Hindukusch fort. Er wollte am Donnerstag mehrere Präsidentschaftskandidaten treffen. Bereits am Vortag war Rasmussen mit Präsident Hamid Karsai zusammengetroffen und hatte sich für ein stärkeres militärisches Vorgehen in Afghanistan ausgesprochen.