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Affäre Wulff:Es bleibt nur Getuschel

Christian Wulff ist schon als Teenager in der Jungen Union sozialisiert worden und hat außerhalb der Politik kaum Spuren hinterlassen. Er ist diesen Weg mit einigen Leuten gegangen, die dann den Anschluss verloren.

Wulff, der 2006 auf dem Höhepunkt seiner Popularität sogar als Kanzlerkandidat galt, war ein knallharter Machtpolitiker; auf der Strecke geblieben sind einige, die der Meinung sind, sie hätten diese Karriere auch machen können. Wulff ist ja nicht außergewöhnlich begabt, aber er war außergewöhnlich hartnäckig.

Wulff wirkte harmlos, war aber intern gefürchtet

Außerdem hatte er sich, gerade im Glanze des Politbarometers, irgendwie verselbständigt. Er war als niedersächsischer CDU-Landesvorsitzender, Ministerpräsident und stellvertretender Bundesvorsitzender sein eigener Maßstab.

Alle möglichen Konkurrenten im Land waren nach Berlin weggelobt worden. Nach außen zeigte er sich gegenüber der Berliner Regierung loyal - Kritik äußerte er immer verdeckt.

Bei ihm verhielt es sich genau umgekehrt wie bei Roland Koch: Der wirkte gefährlich und war unpopulär, intern aber geachtet. Wulff wirkte harmlos und war populär, aber intern gefürchtet. Er hatte ein Netz von wenigen Beratern um sich gezogen und ließ frühere Vertraute kaum an sich heran - eine Veränderung, die etwa dann stattfand, als er eine neue Familie gründete. Das Auftauchen von Bettina Körner markierte eine Zeitenwende. Sie war in seinem glatten Lebenslauf ein Angriffspunkt.

Doch mit ihr wurde sein Image sogar noch besser, Landespapa statt Landesvater. Das war manchem konservativen Geist in der Partei zu viel: Konnte dem denn gar nichts schaden? Sie hatten ihren Einfluss auf den vorwärtsstrebenden Chef verloren. Es blieb nur Getuschel, das interessanter wurde, je höher die Wulffs stiegen.

© SZ vom 11.09.2012/sana
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