Affäre um Korrespondenz Neuer E-Mail-Fund belastet Clintons Kampagne

  • Mitten im US-Wahlkampf könnten weitere Details zur E-Mail-Affäre der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton an die Öffentlichkeit gelangen.
  • Mails aus dem bisher veröffentlichten Fundus deuten an, dass Clinton Spender ihrer Stiftung bevorzugt haben könnte.
  • Clintons Gegner Trump forderte, ein unabhängiger Sonderermittler solle die E-Mail-Affäre untersuchen.

In der Affäre um die Nutzung eines privaten E-Mail-Kontos von Ex-Außenministerin Hillary Clinton sind 14 900 weitere Nachrichten aufgetaucht. Ein Richter wies am Montag das Außenministerium an, die Dokumente auf eine Freigabe zu überprüfen. Die E-Mails waren im Zuge der bereits abgeschlossenen FBI-Ermittlungen gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin wiederhergestellt worden. Die US-Bundespolizei stellte sie dem Außenministerium zur Verfügung.

Clinton hatte als Außenministerin einen privaten Mailserver auch für dienstliche Nachrichten benutzt. Zur Untersuchung der Affäre hatte sie Behörden etwa 55 000 Seiten zur Verfügung gestellt, die jetzt wiederhergestellten Dokumente waren jedoch gelöscht worden.

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Die ehemalige Außenministerin habe in der E-Mail-Affäre jedoch "extrem fahrlässig" gehandelt, urteilt der FBI-Chef. Donald Trump hält die Entscheidung für unfair.   Von Matthias Kolb, Washington und Hakan Tanriverdi, New York

FBI-Direktor James Comey sagte im Juli, er glaube nicht, dass diese Dokumente "absichtlich gelöscht" worden seien. Zwar kam die Bundespolizei zu dem Schluss, dass die Politikerin "extrem nachlässig" mit heiklen Informationen umgegangen sei. Allerdings rieten sie nicht dazu, ein Strafverfahren einzuleiten. Kein vernünftiger Strafverfolger würde "so einen Fall" vor Gericht bringen, sagte Comey.

Das Außenministerium könnte die nun vom FBI erhaltenen Mails wenige Wochen vor der Wahl veröffentlichen und Clintons Gegnern weitere Angriffspunkte liefern. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, es sei bisher nicht klar, wie groß der Anteil an dienstlichen E-Mails sei. Vor der Veröffentlichtung sollen private Mails aussortiert und vertrauliche Stellen geschwärzt werden. Die Auswertung solle bis Ende September abgeschlossen sein, teilte das Außenministerium mit.

Hatten Clinton-Spender leichteren Zugang?

Am Montag wurden ferner E-Mails aus dem Clinton-Fundus bekannt, die von der konservativen Organisation Judicial Watch öffentlich gemacht wurden. Sie stammen von der engen Clinton-Vertrauten Huma Abedin und sollen den Verdacht nahelegen, dass Spender für die Clinton-Stiftung von Hillarys Ehemann Bill leichter Zugang zur Außenministerin bekommen hatten. So wandte sich der Kronprinz von Bahrain im Mai 2009 mit der Bitte um ein Treffen mit Clinton an die Stiftung, nachdem er auf dem üblichen Weg eine Absage bekommen hatte - mit Erfolg.

Trump verlangt Sonderermittler

Clintons Kontrahent Donald Trump griff sie scharf an. Er sei "geschockt vom gewaltigen Ausmaß an Kriminalität" Clintons, sagte Trump bei einer Veranstaltung in Akron, Ohio, wie ein von der New York Times veröffentlichtes Video zeigt. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner forderte, einen unabhängigen Sonderermittler einzusetzen.

Dem FBI und dem Justizministerium warf Trump vor, Clinton "rein gewaschen" zu haben. Das Ministerium habe sich als "politischer Arm des Weißen Hauses" erwiesen. Außerdem forderte er der Nachrichtenagentur dpa zufolge eine Schließung der Clinton-Stiftung.

Zurzeit hat Clinton Umfragen zufolge einen Vorsprung vor Trump. Gewählt wird am 8. November.

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