AfD Neue Spur in AfD-Spendenaffäre

Alice Weidel Ende des vergangenen Jahres

(Foto: dpa)
  • In der Parteispendenaffäre um AfD-Politikerin Alice Weidel gibt es Verbindungen zum Umfeld der deutsch-schweizerischen Unternehmerfamilie Conle nach Zürich.
  • Der ältere Conle gilt als guter Bekannter des Zürcher Drogisten Kurt Häfliger, dessen Firma PWS Pharmawholesale 130 000 Euro an Weidels AfD-Kreisverband überwiesen hatte.
  • 14 Personen auf einer von Häfligers Unternehmen an die Bundestagsverwaltung übermittelten Liste seien nicht die wahren Spender, räumt ein Anwalt später ein. Es habe nur eine Einzelperson gespendet.
Von Sebastian Pittelkow, Nicolas Richter, Katja Riedel und Georg Wellmann, Zürich

Im Fall der mysteriösen Spende zugunsten der AfD-Politikerin Alice Weidel führt eine Spur in das Umfeld der vermögenden deutsch-schweizerischen Familie Conle. Dies haben Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR, WDR und dem Zürcher Tages-Anzeiger ergeben. Demnach arbeitet ein Strohmann, der die Herkunft der Spende verschleiern sollte, für die Immobiliengesellschaft Conimmo - im Handelsregister sind als Direktoren dieser Firma Henning Conle Senior und dessen Sohn Henning Junior eingetragen. Der ältere Conle, der die deutsche und auch die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzen soll, hat einen Wohnsitz in Zürich und gilt als guter Bekannter des Zürcher Drogisten Kurt Häfliger, dessen Firma PWS Pharmawholesale 2017 vor der Bundestagswahl 130 000 Euro an den AfD-Kreisverband Bodenseekreis überwiesen hatte. Die Familie Conle reagierte nicht auf eine Anfrage.

Als die 130 000-Euro-Spende an die AfD im vergangenen Herbst bekannt wurde, ließ Häfliger von einem Anwalt erklären, das Geld stamme nicht von ihm selbst, sondern von einem reichen Bekannten, der in Zürich lebe. Weil dieser Spender anonym habe bleiben wollen, habe er, Häfliger, darum gebeten, das Geld über die Firma PWS nach Deutschland zu überweisen.

Justizpolitik Petry zu Geldstrafe wegen Falscheids verurteilt
Frühere AfD-Vorsitzende

Petry zu Geldstrafe wegen Falscheids verurteilt

Die Politikerin muss 6000 Euro zahlen, weil sie 2015 unter Eid die Unwahrheit vor einem Landtagausschuss gesagt hat. Ihr Bundestagsmandat darf sie behalten.

Wenig später änderte sich diese Geschichte: Auf Bitten der AfD sollte die Schweizer Firma PWS gegenüber der Bundestagsverwaltung erklären, woher das Geld wirklich stamme. Sie übersandte daraufhin nicht etwa den Namen eines reichen Mannes aus Zürich, sondern eine Liste mit gleich 14 Namen. Angeblich hatten alle diese Personen das Geld für die AfD gespendet. Es handelte sich dabei überwiegend um Deutsche, die meist in Deutschland, aber auch in anderen EU-Ländern lebten. Jetzt räumt ein Anwalt Häfligers ein, die 14 Namen auf der Liste seien nicht die der wahren Spender; es sei ein Fehler gewesen, diese Liste zu übersenden. Tatsächlich habe nur ein Einzelner gespendet. Damit kehrt Häfliger zu seiner ursprünglichen Version zurück.

Als SZ, NDR, WDR und Tages-Anzeiger die vertrauliche Spenderliste einsehen konnten, fiel auf, dass eine Mehrheit der angeblichen Spender im Hunsrück lebte, viele gehörten sogar zur gleichen Familie. Auf Nachfrage gaben sie an, Strohmänner zu sein. Ferner stand auf der Liste auch ein Mann mit Adresse im belgischen Antwerpen. Dort stießen die Reporterinnen und Reporter auf den Mitarbeiter einer Firma namens Conimmo, an deren Spitze laut Handelsregister die Herren Conle Senior und Junior stehen.

Die Conles sollen in der Nachkriegszeit mit Sozialwohnungen und öffentlichen Bauten zu Geld gekommen sein, später unter anderem auch mit der Fluggesellschaft LTU. Ihr Vermögen wurde im Jahr 2017 vom Schweizer Magazin Bilanz auf 1,35 Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Es ist eine überaus verschwiegene Familie; eine Anfrage von SZ, NDR und WDR blieb unbeantwortet, nachdem die Reporter diese Anfrage einer Bevollmächtigten der Familie Conle übergeben hatten. Henning Conle Senior und Familie sollen bereits in den 1990er-Jahren in den Großraum Zürich gezogen sein.

Politik AfD AfD-Kandidatin als Vizepräsidentin erneut abgelehnt

Bundestag

AfD-Kandidatin als Vizepräsidentin erneut abgelehnt

Mariana Harder-Kühnel scheitert zum dritten Mal und bekommt diesmal sogar noch weniger Stimmen als zuvor. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses verlässt die AfD geschlossen den Plenarsaal.