Cottbus:Der Hürdenläufer gewinnt den Vorlauf

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Cottbus: Tobias Schick ist SPD-Kandidat bei der Wahl zum Cottbuser Oberbürgermeister.

Tobias Schick ist SPD-Kandidat bei der Wahl zum Cottbuser Oberbürgermeister.

(Foto: Frank Hammerschmidt/dpa)

Der SPD-Kandidat Schick geht bei der Oberbürgermeisterwahl als Führender in die Stichwahl - gegen einen Mann der AfD.

Von Leopold Zaak, München

Neben der Freude bei der Cottbuser SPD über das Ergebnis war da am Sonntagabend auch eine große Portion Erleichterung. "Ich habe mich sehr gefreut. Es war vor allem ein sehr wichtiges Signal nach außen", sagt Tobias Schick. Der Kandidat der SPD holte 31,8 Prozent bei der Oberbürgermeisterwahl in Cottbus und geht damit als Führender in die Stichwahl. Damit hat er vor allem das verhindert, was bundesweit viele Menschen befürchtet hatten: einen Bürgermeister der AfD. Zumindest vorerst.

Die AfD mit ihrem Kandidaten Lars Schieske zieht nämlich ebenfalls in die Stichwahl, mit 26,4 Prozent. Deutlich hinter der SPD, aber auch vor der CDU (24,7 Prozent), die seit 2014 in der zweitgrößten Stadt Brandenburgs regierte. Die AfD zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn sie sich insgeheim wohl mehr erhofft hatte. 2019, bei den Kommunal- und Landtagswahlen in Brandenburg, war die AfD stärkste Kraft in Cottbus geworden, bei der Bundestagswahl wurde sie knapp Zweite hinter der SPD.

Mit Schieske schickte die AfD einen Mann ins Rennen, der im Wahlkampf bemüht war, mit den klassischen AfD-Themen zu punkten: Kriminalität und Zuwanderung. "Damit Cottbus Heimat bleibt" lautete sein Wahlslogan. Schieske ist bestens vernetzt in der rechten Szene in Brandenburg, die als besonders radikal und gewaltbereit gilt. Er hat Verbindungen in den Verein "Zukunft Heimat", einen nationalistischen und flüchtlingsfeindlichen Verein, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Um zu verhindern, dass die AfD mit Schieske zum ersten Mal einen Oberbürgermeister stellt, wollen sich die anderen Parteien für die Stichwahl zusammentun und dazu aufrufen, den SPD-Kandidaten zu wählen. Direkt nach der Wahl habe es erste Gespräche gegeben, sagt Schick, "jetzt kann ich mitteilen, dass mich die anderen Kandidaten unterstützen".

Doch allein damit dürfte es noch nicht getan sein. Das weiß auch Tobias Schick, ausgebildeter Leichtathletiktrainer. "Ich bin Hürdenläufer. Den Vorlauf habe ich gut absolviert. Aber bis zum Sieg liegt noch einiges an Arbeit vor mir", sagt er. Zwar dürfte es der AfD schwerfallen, gegen ein Bündnis mehrerer Parteien anzukämpfen, aber Schick kennt neben seinem Wahlergebnis noch eine weitere Zahl. Und die macht ihm Sorgen. 46,7 Prozent der Wahlberechtigten gingen am Sonntag nicht wählen. Hier wird die AfD versuchen, Stimmen zu fangen.

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