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AfD in Sachsen:"Wer will uns aufhalten?"

AfD-Spitzen­kandidat Jörg Urban führt einen aggressiven Wahlkampf. Inhaltlich verschwimmen bei ihm die klaren Linien. Und die Anhänger begeistert ein anderer.

Hinter Jörg Urbans Schreibtisch rammt ein blonder Jüngling in schwarz glänzender Rüstung eine Lanze in das aufgerissene Maul eines Drachen. Eigentlich wollte Urban das Bild des Heiligen St. Georg ja zu Hause aufhängen. "Meine Frau war dagegen", sagt er. Das Blut, die Skelette im Staub. Jetzt ist das Bild Blickfang für jeden, der das Büro des Fraktionsvorsitzenden der AfD im sächsischen Landtag betritt. Der Legende nach tötete St. Georg einen Drachen, rettete dadurch eine Königstochter und befreite deren Heimatstadt von der Tyrannei der Bestie. Urban ist kein Christ. Aber dem Chef der AfD in Sachsen gefällt die Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse.

Das merkt man auch dem Wahlkampf an, den der 55-jährige Spitzenkandidat führt. Den Gegnern werden da gerne mal - ähnlich wie in der Georgslegende - geradezu monströse Züge angedichtet. Als etwa der Landeswahlausschuss die Landesliste der AfD wegen Verfahrensfehlern bei der Aufstellung von 61 zunächst auf 18 Kandidaten zusammenkürzte, suchte Urban nicht nach parteiinternen Fehlern. Er geißelte den Vorgang als "politischen Skandal", unterstellte den "Altparteien", den Wählerwillen behindern zu wollen. Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs gestand der Partei schließlich 30 Listenplätze zu.

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Auch sonst liebt Urban die Attacke. Er wettert im Wahlkampf gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: "Jede Diktatur würde vor Neid erblassen." Schimpft über eine "Klima-Hysterie". Schürt die Angst vor einer schwarz-rot-grünen-Koalition angeführt vom CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Und Urban verspricht Rettung. Durch seine Partei: "Wer will uns aufhalten?"

Die AfD hofft, bei der Landtagswahl am 1. September stärkste Kraft zu werden. In früheren Umfragen lag sie zuweilen gleichauf mit der CDU. Aktuellen Prognosen zufolge erreicht sie 25 Prozent, die CDU 31 Prozent. Eine schwarz-blaue Koalition wäre möglich. Doch Kretschmer hat einem solchen Bündnis schon sehr früh eine Absage erteilt. Urban entgegnete: "Wer hat ihn überhaupt gefragt?"

Als er im Februar 2018 in Hoyerswerda zum Landeschef der AfD in Sachsen gewählt wurde, versprach er, die AfD werde nach den Landtagswahlen selbst den Ministerpräsidenten stellen. Beim Gespräch in seinem Büro wirkt Urban nun weniger kämpferisch. Zwar will er mit seiner Partei stärkste Kraft werden. Ob er Ministerpräsident werden möchte? "Nicht dringend." Die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD bald mitregiert? "Sieht nicht so aus."