Sachsen-AnhaltHaseloff denkt wegen AfD ans Auswandern

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„Dies ist mein Heimatland, das werden Sie nicht verhunzen“: So ging Haseloff seinen AfD-Widersacher Ulrich Siegmund vergangene Woche im Landtag an.
„Dies ist mein Heimatland, das werden Sie nicht verhunzen“: So ging Haseloff seinen AfD-Widersacher Ulrich Siegmund vergangene Woche im Landtag an. (Foto: Bernd Elmenthaler/IMAGO)

15 Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erwägt der Ministerpräsident drastische Konsequenzen für den Fall eines AfD-Siegs – und gibt Hinweise auf die wichtigste Personalie.

Von Iris Mayer, Leipzig

Sollte die rechtsextremistische AfD nächstes Jahr bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen, würde der bisherige CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff sein Bundesland möglicherweise verlassen. Deutschlands dienstältester Ministerpräsident sagte der Bild-Zeitung, er fürchte für diesen Fall eine so unerträgliche Atmosphäre, „dann wäre für mich wirklich die Grundsatzüberlegung, ob ich nach 72 Jahren meine Heimat verlassen würde“. Auch für seine Frau und viele in seinem Umfeld würde sich diese Frage stellen.

Sachsen-Anhalt wählt am 6. September 2026 einen neuen Landtag. Bei der Bundestagswahl im Februar dieses Jahres kam die laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextremistische AfD in Sachsen-Anhalt auf 37,1 Prozent der Zweitstimmen, die CDU nur auf 19,2. Zur Landtagswahl hat die AfD die 45-Prozent-Marke und das Amt des Ministerpräsidenten als Zielmarke ausgegeben. Spitzenkandidat der AfD ist der 34-jährige Ulrich Siegmund, aktuell einer der beiden AfD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag.

Die mit SPD und FDP in einer Deutschlandkoalition regierende CDU hat im Gegensatz zur AfD noch nicht über ihren Spitzenkandidaten entschieden. Haseloff, der dann 72 Jahre alt wäre, hat bisher offengelassen, ob er selbst noch einmal antritt oder Wirtschaftsminister und CDU-Landeschef Sven Schulze den Vortritt lässt. Spätestens im Oktober soll die Entscheidung verkündet werden.

Manche in der CDU würden den harten Abgrenzungskurs zur AfD gern aufgeben

Haseloff sagte dazu in der Bild: „Ich will nur eines: Es darf nie sein, dass eine AfD auf den Regierungsbänken sitzt und dass das, was sie an Programmatik präsentiert, jemals Realität wird. Das muss verhindert werden. Dem hat sich alles unterzuordnen.“ Bislang hat Haseloff nicht öffentlich gesagt, dass er dies zum Beispiel Schulze zutraut. In der FAZ deutete er vor einigen Wochen an, wen er für den besseren Kandidaten hält: „Ich habe bei der Bundestagswahl mal einen kleinen Test gemacht und mich im heimischen Bundestagswahlkreis zusammen mit unserem Kandidaten Sepp Müller auf die Plakate drucken lassen. Wir haben dort ungefähr zehn Prozentpunkte mehr geholt als in anderen Wahlkreisen.“

Vergangene Woche ging Haseloff seinen AfD-Widersacher Siegmund im Landtag frontal an: „Dies ist mein Heimatland, das werden Sie nicht verhunzen.“ Die AfD habe sich schon oft als Sieger gefühlt, aber die CDU werde alles dafür tun, dass dies nicht eintrete. Auch bei der letzten Landtagswahl 2021 war der AfD ein starkes Ergebnis prophezeit worden, am Ende lag sie mit 20,8 Prozent deutlich hinter der CDU (37,1 Prozent) – auch ein persönlicher Triumph für Haseloff.

Der fährt – anders als einige in seinem Landesverband und der Landtagsfraktion – einen harten Abgrenzungskurs zur AfD. Ende 2020 entließ er seinen Innenminister Holger Stahlknecht, als der eine CDU-Minderheitsregierung ins Spiel brachte, die punktuell auf Unterstützung der AfD angewiesen gewesen wäre. Erst in diesem Frühjahr forderte der CDU-Kreisverband Harz, die Brandmauer zur AfD einzureißen und den Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundespartei mit der AfD aufzuheben.

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