AfD Lucke gegen Höcke

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke will den Thüringer Landeschef der Partei rauswerfen. Dessen Gegner werfen ihm vor, sich nicht deutlich genug von der rechtsextremen NPD distanziert zu haben.

Von Jens Schneider, Berlin

In der Alternative für Deutschland (AfD) eskaliert der Streit. Auf Betreiben des Vorsitzenden Bernd Lucke will der Bundesvorstand ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Landes- und Fraktionsvorsitzenden der AfD in Thüringen, Björn Höcke, erwirken. Eine Mehrheit des Vorstands wirft Höcke vor, dass er sich nicht ausreichend von der rechtsextremen NPD distanziert habe. Deshalb soll das Landesschiedsgericht in Thüringen ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn einleiten. Zudem werde "das Gericht ersucht, Björn Höcke die Ausübung eines politischen Amtes auf zwei Jahre innerhalb der AfD abzuerkennen", erklärte ein Parteisprecher. Der Beschluss war im Vorstand umstritten und stieß auf den Widerspruch der Ko-Vorsitzenden Frauke Petry und des stellvertretenden Parteichefs Alexander Gauland.

Höcke zählt zum rechtskonservativen Flügel, er war einer der Initiatoren der "Erfurter Resolution", in der Mitglieder der AfD sich über eine Anpassung an den Mainstream beklagten. Der Bundesvorstand wirft ihm Aussagen in einem Zeitungsinterview vor, in dem er sagte, er gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen könne.

Dies widerspricht nach Auffassung des Vorstands der Linie der AfD, die sich von der NPD abgrenzen will. Lucke hatte Höcke bereits aufgefordert, alle Ämter niederzulegen und auszutreten. Auch die Lucke-Widersacher Petry und Gauland hatten Höckes Äußerungen zur NPD kritisiert, hielten die Schritte aber für überzogen, hieß es. Höcke erklärte, er sehe dem Verfahren gelassen entgegen. In Thüringen stellten sich der Landesvorstand und die Fraktion hinter ihn. Die Fraktion hatte unlängst einen gegenüber Höcke kritischen Abgeordneten ausgeschlossen.