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AfD:Seit Wochen traf sich der Bundesvorstand nicht mehr - bis zur Wahl sollte Ruhe herrschen

Was ziehen da für Leute in die Parlamente, um das Land vom rechten Rand aus zu erobern? Drei Jahre nach Gründung der AfD fällt auf, dass sie nur noch wenig zu tun hat mit dem kleinen Kreis der gediegenen Europa-Kritiker, die die Partei im Frühjahr 2013 ins Leben riefen. Nicht allein, weil namhafte Gründer die Partei verlassen oder sich in die zweite Reihe zurück-gezogen haben: Vor drei Jahren gab es den nationalkonservativen Flügel nicht, der sich seit diesem Sonntag mit dem Erfolg von André Poggenburg in Sachsen-Anhalt weiter gestärkt fühlen wird. Der 40-jährige Kleinunternehmer ist ein enger Vertrauter des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke. Als Vertreter seines Flügels wurde er im vergangenen Sommer in den Bundesvorstand gewählt. Poggenburg hat in der AfD in Sachsen-Anhalt eine Reihe von rechtslastigen, politisch unerfahrenen Köpfen um sich geschart, die auch die künftige Fraktion prägen sollen. Aufgefallen ist er im Land zuletzt nur durch seine Finanzprobleme. Weil er ausstehende Forderungen nicht bezahlt hatte, wurde Poggenburg mehrmals eine Erzwingungshaft angedroht. Die Forderungen seien beglichen, erklärte er. Auch in AfD-Kreisen heißt es, dass der klamme Rechte die Einnahmen aus dem Mandat dringend brauche.

Auf den ersten Blick scheint es schwer verständlich, dass ein Rechtspopulist wie Poggenburg und die beiden anderen an diesem Sonntag erfolgreichen Landeschefs der AfD in einer Partei sind. Der Ökonom Jörg Meuthen aus Baden-Württemberg und der Bundeswehroffizier Uwe Junge aus Rheinland-Pfalz wirken bürgerlich konziliant. Wo Poggenburg sich im Wahlkampf mühte, gemäßigt zu wirken, entsprach das ganz ihrem Naturell. Aber keiner der beiden hat sich je offen gegen die rechtsnationalen Töne im eigenen Lager gestellt, die eben Stimmen bringen, gerade wenn sie auf Ressentiments gegen Flüchtlinge setzen. In ihren Landesverbänden dulden sie rechtsnationale Kräfte im Parteileben, von denen einige durch extreme Aussagen aufgefallen sind.

Offen ist, wie sich der Erfolg auf das Parteigefüge auswirkt

Meuthen ist auch Bundesvorsitzender der AfD, nominell auf einer Stufe mit Frauke Petry. Sie hatte ihn im Sommer für diesen Posten gewonnen, als andere Anhänger des Lucke-Flügels abwinkten, weil sie nicht als liberales Feigenblatt dienen wollten. Bisher hat Meuthen auf Bundesebene keine Rolle gespielt, er konzentrierte sich auf den Wahlkampf in seiner Heimat. Auch Uwe Junge kam erst nach dem Bruch in der AfD im Juli nach oben. Mit Lucke verließen viele gemäßigte Konservative die Landespartei, der Offizier übernahm den Landesvorsitz. Er war zuvor 34 Jahre in der CDU. Ende 2010 trat er für kurze Zeit in die rechtsnationale Partei "Die Freiheit" ein, im September 2011 wieder aus. So geschliffen er sich auch ausdrücken mag, im Wahlkampf wetterte er gegen die "Willkommenskultur" der Kanzlerin und das Grundrecht auf Asyl, Junge steht anders als Meuthen für den Rechtsruck der AfD.

Offen ist nun, wie der Wahlsieg das instabile Machtgefüge der AfD beeinflussen wird. Zuletzt hatten sich Frauke Petrys Widersacher wie Alexander Gauland und Björn Höcke zurückgehalten. Petry will Höcke kleinhalten. Gauland hat Petry wiederholt Alleingänge vorgeworfen, es wurde darüber spekuliert, wie man sie entmachten könnte, ohne ihr den Führungsposten zu nehmen. Aber alle ordneten sich dem Ziel unter, die AfD an diesem Sonntag in weitere Parlamente zu bekommen. Seit Wochen traf sich der Bundesvorstand der AfD nicht mehr, weil bis zum Wahltag Ruhe herrschen sollte. Von einem Burgfrieden auf Zeit sprachen Vorstandsmitglieder: Nun hätten sie viel zu klären.

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