AfD:Im Privatjet aus Moskau

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Eine Reise der damaligen AfD-Politiker Petry und Pretzell im Februar 2017 wirft einige Fragen auf. Der Rückflug soll von russischer Seite bezahlt worden sein.

Von Jens Schneider, Berlin

Die Umstände einer Moskau-Reise der früheren AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry sorgen ein Jahr später für Irritationen. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge flog eine von Petry angeführte AfD-Delegation im Februar 2017 mit einem Privatflugzeug aus Moskau zurück, das von russischer Seite bezahlt worden sei. Petry und ihr Ehemann Marcus Pretzell waren seinerzeit gemeinsam gereist. Die Reise hatte Aufsehen erregt und war auch in der AfD-Spitze umstritten.

Petry und Pretzell sind inzwischen nicht mehr Mitglieder der AfD, aber halten Mandate, die sie als Kandidaten der AfD errungen haben. Petry ist seit dem letzten September fraktionslose Abgeordnete im Bundestag, sie saß schon zum Zeitpunkt der Moskau-Reise im sächsischen Landtag. Pretzell ist Europaabgeordneter und Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen. Während der Moskau-Reise hatte Petry unter anderem den Vorsitzenden der Duma, also des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, getroffen, auch der radikale Rechtspopulist Wladimir Schirinowskij war bei dem Gespräch anwesend.

Nun haben der FAZ zufolge ihr Ehemann Pretzell und der damals mitgereiste AfD-Politiker Julian Flak im Gespräch mit der Zeitung bestätigt, dass damals der Privatflug von russischer Seite bezahlt worden sei. Wer für die Kosten konkret aufkam, erklärten sie der FAZ zufolge jedoch nicht. Es handelte sich dem Bericht zufolge um eine fünfstellige Summe, mutmaßlich etwa 25 000 Euro.

Die Frage dieser Finanzierung könnte unter Umständen relevant sein, falls sie als eine Art Spende für die damaligen AfD-Politiker einzuordnen wäre, über deren Herkunft sie eventuell Rechenschaft abzulegen hätten. Fraglich wäre auch, ob die Politiker eine solche Unterstützung aus dem Ausland annehmen durften. Flak gehört weiter der AfD an, er war seinerzeit Mitglied des Bundesvorstands.

Petry wollte sich am Dienstag zu der Angelegenheit auf Anfrage nicht äußern. Im vergangenen Jahr hatte sie zu der Reise erklärt, es sei ihr darum gegangen, Kontakte nach Russland herzustellen und zu intensivieren. "Eine Delegation der AfD" habe "auf Einladung der Bezirksregierung Moskau Gespräche zur Kooperation mit den Landtagen der Bundesländer geführt und am Rande den Duma-Präsidenten Wolodin und weitere Duma-Abgeordnete getroffen", teilte Petry damals in einer kurzen Erklärung mit. Es sei um Wirtschaftsbeziehungen zu Sachsen, aber auch zu anderen Bundesländern sowie gemeinsame Bildungsprojekte gegangen, sagte sie später.

Direkt nach der Reise hatte es heftige Kritik von ihren Vorstandskollegen Jörg Meuthen und Alexander Gauland gegeben. Die Kritik entzündete sich daran, dass der Nationalist Schirinowskij an den Gesprächen teilgenommen hatte. Über die Umstände der Reise gab es damals schon viele Spekulationen. Der heutige AfD-Vorsitzende Gauland erklärte seinerzeit, dass er von Petrys Moskau-Reise überrascht worden sei.

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