AfD im Bundestag Und worauf setzt die AfD?

Fragt man die Spitzen der Partei nach Philipp Amthor oder Cem Özdemir, geben die sich gelassen. Deren Reden seien von den Medien und unter Gegnern der AfD bejubelt worden. Im Lager ihrer Anhänger aber würden Redner wie Gottfried Curio gefeiert. Jener Berliner Abgeordnete, der mit großer Schärfe die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung angreift. Von ihm stammen Zuspitzungen wie "Masseneinwanderung heißt auch Messereinwanderung", gefallen in der Debatte am 23. März zur deutschen Innenpolitik. Unter AfD-Anhängern gilt Curio, man kann es in sozialen Netzwerken verfolgen, als begabter Redner und Aushängeschild der rechtsnationalen Partei, gerade wegen seiner Schärfe.

Die AfD verbreitet seine Reden wie die der anderen Abgeordneten online und ist stolz auf die Resonanz.

Auffällig ist, dass die AfD-Abgeordneten sich fast alle im Parlament einfinden, wenn es gilt, ihre Redner mit heftigem Applaus zu unterstützen. Umgekehrt sind Hohngelächter und störende Zwischenrufe für sie Mittel gegen die Konkurrenz.

Im Bundestag ist eine klare Trennlinie zwischen der AfD und den anderen zu beobachten, sie wird von beiden Seiten mit großer Schärfe gezogen. Beide klagen über die andere Seite, über den Ton der Zwischenrufe, über "fehlende Kinderstube", wie es dann gern heißt.

"Neue Wettbewerber werden immer etwas ruppiger angegangen", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann. "Aber wir sind für die anderen Parteien hier mehr als nur ein neuer Wettbewerber. Wir stehen weltanschaulich für eine vollkommen andere Sichtweise, deshalb ist die Auseinandersetzung so grundsätzlich."

Die anderen sollten sich "fairer und höflicher verhalten", klagt er. Er nennt es eine "große Unverschämtheit, wenn wir von Cem Özdemir als Rassisten bezeichnet werden und das auch noch in großem Maße goutiert wird".

Dabei ist die Frontstellung im Sinne der AfD. Die Fraktion beklagt gern, dass sie von den anderen ausgegrenzt und bekämpft werde. Dieser Umgang oder auch nur die Wahrnehmung dessen löse bei AfD-Anhängern Empörung aus. "Das nutzt uns also", sagt Baumann. "Das sollen die nur weitermachen."

Der Koordinator der AfD-Parlamentsarbeit will unbedingt dem Eindruck entgegentreten, dass seine Fraktion sich nur auf das Thema Flüchtlinge beschränkt. Nein, man stelle sich breit auf. Auch sei es "keineswegs so, dass wir gezielt Provokationen setzen". Und alles, was der Abgeordnete Curio bringe, seien Zahlen, Daten, Fakten - "und seine Art zu reden, das ist sein persönlicher Stil".

Es waren Reden von Curio, die Cem Özdemir und Philipp Amthor so herausforderten, dass sie sich zu ihren Auftritten aufrafften. In beiden Fällen wurde mehr über Özdemir und Amthor als über die AfD gesprochen und berichtet. Das Ergebnis dürfte beiden gefallen haben.

18 aus 2018 So spaltet die AfD das Parlament
18 aus 2018

SZ-Datenrecherche

So spaltet die AfD das Parlament

Seit Oktober 2017 sitzt eine Partei vom rechten Rand im Bundestag. Eine Datenanalyse offenbarte, wie die AfD das Hohe Haus in wenigen Monaten verändert hat.