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AfD:Höcke sagt es

Der rechtsextreme Flügel löst sich angeblich auf. Tut er aber nicht, denn die Rechtsextremen bleiben in der Partei.

Vorbei ist der "Flügel", aber der "Flügel" macht weiter. Wer's nicht glaubt und meint, mit der Auflösung der Gruppe zum 30. April sei es mit dem Rechtsextremismus in der AfD irgendwie vorüber, der soll Björn Höcke zuhören, ihrem Anführer: "Eine Erfolgsgeschichte, die zwar jetzt formal abgeschlossen wird," sagt er, "die aber in gewisser Weise weitergeschrieben wird, weil der Geist des Flügels natürlich in der Partei bleiben wird."

So ist es. Der "Flügel" wird aufgelöst, um dem Verfassungsschutz die Beobachtung der Rechtsextremisten zu erschweren, aber er wird so aufgelöst, wie man Aspirin in einem Glas auflöst: Die Tablette ist damit nicht verschwunden, sondern nur unsichtbar. Anders indes als bei Aspirin geht es bei der Auflösung des "Flügels" nicht um Besserung; das ist auch gar nicht die Absicht.

Das geringere Problem mit der AfD ist doch, dass es darin bislang eine Gruppe gab, in der sich ihre Rechtsextremisten konzentrierten. Das eigentliche Problem ist, dass die Partei voller Rechtsextremisten war und bleibt. Ihr einziges Prinzip im Umgang mit ihnen lautet Opportunität: Die Bundestagsfraktion feuerte soeben ihren Pressesprecher, weil der sich in einem Chat als "Faschist" bezeichnet haben soll - wer so eindeutig spricht und sonst für die Partei nicht wichtig ist, der muss gehen. Wer aber das Spiel mit den Zweideutigkeiten pflegt und zudem sehr gute Wahlergebnisse garantiert, wie Höcke und Co. - der darf seine "Erfolgsgeschichte" weiterschreiben.

© SZ vom 02.05.2020

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