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AfD-Vorsitz:Gauland bringt Tino Chrupalla in Stellung

Politiker Chrupalla will an die Spitze

Tino Chrupalla will an die Spitze der AfD.

(Foto: dpa)
  • Tino Chrupalla wird sich auf dem Bundesparteitag der AfD am Wochenende um einen der beiden Spitzenposten bewerben.
  • Der Malermeister gilt als Wunschkandidat von Noch-Parteichef Gauland, der nun voraussichtlich nicht mehr antreten wird.
  • Auch der radikale "Flügel" um Björn Höcke ist offenbar einverstanden mit der Lösung.

Drei Tage vor dem Bundesparteitag der AfD hat sich Bundestagsfraktionsvize Tino Chrupalla entschieden, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Er werde antreten, teilte Chrupalla auf Anfrage mit. Über seine Kandidatur hatte zuerst der Spiegel berichtet.

Damit wird Alexander Gauland auf dem zweitägigen Parteitag in Braunschweig voraussichtlich nicht für einen Posten im Bundesvorstand kandidieren. Der 78-Jährige war im September als Vorsitzender der Bundestagsfraktion zusammen mit Alice Weidel wiedergewählt worden. Der Malermeister aus Sachsen gilt als Wunschkandidat von Gauland, der die Partei seit zwei Jahren gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen führt. Meuthen, dessen Wiederwahl als wahrscheinlich gilt, soll mit dieser Lösung einverstanden sein.

Chrupalla, 44, kann auf die Unterstützung des sächsischen Landesverbandes und des rechtsnationalen "Flügels" bauen. Auch Weidel hat erklärt, sie könne sich Chrupalla in einer wichtigen Rolle vorstellen. Der Thüringer AfD-Landeschef und "Flügel"-Gründer Björn Höcke hatte Ende Oktober auf die Frage nach einer stärkeren Vertretung der Ost-Verbände im neuen Bundesvorstand ausdrücklich auf Chrupalla verwiesen. Chrupalla hatte mehrmals erklärt, er erwäge eine Kandidatur für die Parteispitze, sich aber noch nicht endgültig festgelegt.

Das Feld der Bewerber um die zwei Spitzenposten war in den vergangenen Tagen unübersichtlicher geworden. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio, innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, hatte die Planungen für den Bundesparteitag mit einer Last-Minute-Kandidatur durcheinandergebracht. Im Gegensatz zu Chrupalla verfügt Curio, 59, nicht über ein dichtes Netzwerk persönlicher Kontakte in der Partei. Anders als bei Chrupalla hat sich bislang auch keiner der bekannten Spitzenpolitiker der Partei hinter seine Kandidatur gestellt. Allerdings ist Curio durch seine im harten Stakkato vorgetragenen Bundestagsreden zu Migrationsthemen bundesweit bekannt geworden. Von Anhängern der AfD wird der Physiker und Komponist dafür gefeiert.

Als weitere Bewerber um den Parteivorsitz treten die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, 49, aus Rheinland-Pfalz sowie Dana Guth, 49, Fraktionsvorsitzende der AfD im niedersächsischen Landtag, an. Guth wird innerparteilich dem Lager der Gemäßigten zugerechnet.

© SZ.de/dpa/kit/mkoh
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