AfD bei Bundestagswahl Sechs Grafiken, die den Erfolg der AfD erklären

Die AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel feiern den Einzug in den Bundestag.

(Foto: dpa)
  • Dass die AfD bei der Bundestagswahl auf Platz drei landet, liegt vor allem an ihrer Popularität unter männlichen Wählern sowie den Erfolgen in Ostdeutschland.
  • In Sachsen wird die Partei sogar zur stärksten Kraft und gewinnt drei Direktmandate - eines davon holt Frauke Petry.
  • Die AfD ist die Partei des Protests - nur ein Drittel ihrer Wähler ist von ihren Positionen wirklich überzeugt.
Von Matthias Kolb

Die Umfragen waren dieses Mal zutreffend: Die AfD wird als drittstärkste Partei in den Bundestag einziehen. Sie gewinnt 12,6 Prozent der Stimmen und 94 Sitze. Die Arbeit und das Klima im Parlament werden sich stark verändern - nicht nur weil mit der erneut vertretenen FDP nun sechs Fraktionen unter der Reichstagskuppel sitzen werden. Es sind vor allem jene 87 Prozent der deutschen Wähler, die ihr Kreuz nicht bei der AfD gemacht haben, die nun fragen: Wieso ist diese Partei plötzlich so stark, wer hat sie gewählt und was treibt die Anhänger an?

Die AfD ist die Partei des Protests

Sehr viel spricht in den Daten der Forschungsgruppe Wahlen dafür, dass die meisten AfD-Wähler der Protest gegen die Union und die Wut auf Kanzlerin Angela Merkel antrieb. 89 Prozent gaben an, dass die CDU die Sorgen der Bürger nicht mehr ernst nehme - die Flüchtlingspolitik ist hier bekanntermaßen der große Aufreger. 60 Prozent der AfD-Wähler sagten, sie seien von allen Parteien enttäuscht - und nur jede Dritte gab an, vom Programm der "Alternative für Deutschland" überzeugt zu sein. Immerhin zwei von fünf Bürgern, die für die AfD stimmten, kritisierten zugleich, dass sich die Partei nicht genug von rechtsextremen Positionen distanziere.

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Die AfD ist die Partei der Männer

Wenn an dieser Bundestagswahl nur Frauen teilgenommen hätten, dann sähe das Ergebnis anders aus. Die Union läge mit 37 Prozent deutlich vor der SPD (21), doch auf Platz drei befänden sich die Grünen (elf). Von den deutschen Wählerinnen stimmten nur neun Prozent für die AfD - exakt der gleiche Wert wie für FDP und Linke. Den Unterschied machen also die Männer: Weil fast jeder Sechste von ihnen für die AfD votierte, wurde die Protestpartei mit klarem Vorsprung drittstärkste Kraft.

Die AfD ist im Osten besonders stark

In den fünf ostdeutschen Bundesländern war die AfD extrem erfolgreich: Laut Infratest dimap kommt sie in Ostdeutschland (inklusive Ost-Berlin) auf etwa 22,5 Prozent und liegt damit hinter der CDU (28,2 Prozent) auf Platz zwei. Sowohl Linke als auch SPD sind weit abgeschlagen (Details hier). In Bezug auf Ostdeutschland sind zwei Fakten besonders auffällig: Unter ostdeutschen Männern landet die AfD sogar auf Platz eins und in Sachsen landete die Partei nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen auf Platz eins vor der CDU. Parteichefin Frauke Petry holte in ihrem Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge das Direktmandat; zudem holten Karsten Hilse (Bautzen I) und Tino Chrupalla (Görlitz) die meisten Erststimmen.

Die AfD hat Nichtwähler mobilisiert - und bei der Union gewildert

Bei der Bundestagswahl 2013 erhielt die AfD 4,7 Prozent - vier Jahre später hat sich ihr Anteil fast verdreifacht auf 12,6 Prozent. Woher kamen also all die neuen Wähler? 1,2 Millionen Deutsche stimmten für die Rechtspopulisten, die 2013 daheim geblieben waren. Mehr als eine Million ehemalige Wähler von CDU und CSU entschieden sich nun für die AfD, von der SPD und der Linken kamen jeweils etwa 500 000 Wähler.

Arbeiter mögen die AfD

Wenn man die Wähler der rechtsradikalen Partei (hier eine Übersicht, welche extremen Figuren bald im Parlament in Berlin sitzen) auf Berufsgruppen hin untersucht, ergibt sich ein klares Bild: Unter Arbeitern ist der Anteil mit 19 Prozent am höchsten (SPD und Union haben hier fünf bzw. elf Prozentpunkte Vorsprung). Allerdings findet das Protestprogramm der AfD in allen Schichten Anklang: Die Partei fährt auch bei Beamten, Angestellten und Selbstständigen zweistellige Werte ein (hier landet - wen wundert's - die FDP auf Platz zwei hinter der Union).

AfD ist nicht die Partei der Akademiker

In so mancher TV-Debatte verwies Spitzenkandidatin Alice Weidel darauf, dass die Akademikerquote unter den Bundestagskandidaten der AfD besonders hoch sei. Wer auf das Bildungsniveau der AfD-Wähler blickt, der sieht: Am populärsten ist die Partei bei Menschen mit Mittlerer Reife, während nur sieben Prozent der Wähler mit Hochschulabschluss sich für die Rechtsaußen-Partei entschieden.

Wer ziemlich jung oder ziemlich alt ist, den überzeugt die AfD am wenigsten

Die Altersstruktur der AfD-Wähler ist aufschlussreich: Es sind vor allem die Leute zwischen 30 und 59 Jahren, die für das gute Ergebnis der Partei verantwortlich sind. Jene, die das Ergebnis der Rechtspopulisten schockiert, mag es ein wenig beruhigen, dass die AfD bei den unter 30-Jährigen (mit der Linken) auf dem letzten Platz landete.

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