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Paukenschlag vor AfD-Parteitag:Weidel tritt nicht als Spitzenkandidatin an

AfD-Politiker Jörg Meuthen, Alexander Gauland und Alice Weidel 2017 in Berlin

Alice Weidel zieht sich vorerst aus dem Rennen um die AfD-Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zurück.

(Foto: Stefan Boness/Ipon via www.imago-images.de/imago images/IPON)

Alice Weidel galt auf dem Parteitag in Dresden als große Hoffnung der äußerst Rechten in der Partei. Jetzt zieht sie sich jedoch vorerst aus dem Rennen um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zurück - mit einem Seitenhieb auf den Parteichef.

Von Markus Balser, Berlin

Wer die AfD in den wichtigen Wahlkampf für die Bundestagswahl im Herbst führt? Als wahrscheinlich galt bislang, dass die einflussreiche Parteifunktionärin Alice Weidel bei der Antwort eine entscheidende Rolle spielt. Als Vize-Parteichefin, Landeschefin in Baden-Württemberg und Co-Fraktionschefin im Bundestag galt sie auf dem am Vormittag beginnenden Parteitag in Dresden schon wegen ihrer Machtfülle als natürliche Kandidatin. Im Gespräch war eine Spitzenkandidatur im Duo mit Co-Parteichef Tino Chrupalla. Doch kurz vor Beginn des Treffens macht die 42-Jährige nun klar, dass sie in Dresden nicht zur Wahl steht - unter Verweis auf das Wahlverfahren. Und damit auch mit einem heftigen Seitenhieb gegen ihren Widersacher in der Partei: AfD-Chef Jörg Meuthen.

Per Mitteilung lässt Weidel am Morgen wissen: "Es ist die sehr unglückliche Situation eingetreten, dass in der Frage der Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl zwei unterschiedliche Verfahren gegeneinander gesteuert wurden", schreibt Weidel. "Zum einen ist der Bundesparteitag als höchstes Beschlussgremium gefragt, über die Kandidatur zu entscheiden, zum anderen wurde im Vorfeld durch die Mehrheit des Bundesvorstandes eine Mitgliederbefragung initiiert, deren Ergebnis nicht ignoriert werden kann", klagt Weidel. "Dieser widrige Umstand hat mich zum Entschluss gebracht auf diesem Parteitag nicht für die Spitzenkandidatur zur Verfügung zu stehen."

Die Begründung richtet sich damit direkt gegen Parteichef Jörg Meuthen. Der hatte eigentlich ein Verfahren favorisiert, die Basis über die Spitzenkandidatur entscheiden zu lassen und eine Umfrage unter den Mitgliedern initiiert, die sich ebenfalls dafür aussprachen. So hätte er die Frage vom Dresdener Parteitag fernhalten können. Doch zuletzt war der Druck gewachsen, schnell zu einer Entscheidung zu kommen.

Der Streit zwischen Meuthen und Weidel steht dabei für den Lagerkampf in der Partei. Während Meuthen die für AfD-Verhältnisse Gemäßigten vertritt, wird Weidel dem äußerst rechten Lager der Partei zugerechnet. Das hatte sehr darauf gehofft, dass Weidel zu einem Spitzenduo mit Co-Parteichef Tino Chrupalla antritt. Allerdings hatte es auch im Umfeld von Weidel die Sorge gegeben, dass sie sich bei einer Wahl nicht durchsetzt und eine Niederlage kassiert. Denn ihr interner Ruf hatte unter einer Spendenaffäre und Kritik an ihrer Fraktionsführung im Bundestag gelitten. Zudem befürchtete Weidel offenbar, sich bei einer Kandidatur den Unmut der Basis zuzuziehen, falls der Parteitag die Entscheidung ohne Beteiligung der Mitglieder vorwegnimmt.

Parteichef Meuthen favorisiert ein Führungsduo mit Cotar und Chrupalla

Mit dem Rückzug könnte der Weg frei werden für die von Parteichef Meuthen favorisierte Lösung. Er spricht sich dafür aus, dass die hessische Bundestagsabgeordnete Joana Cotar in einem Führungsduo mit Chrupalla Spitzenkandidatin wird. Sie hatte bereits Interesse an der Wahl erklärt. Bei der Präsentation der Wahlkampagne der Partei am Freitag erklärte Meuthen: "Meine Unterstützung hat sie, uneingeschränkt." Eine Wahl von Cotar würde für Weidel die Gefahr bergen, auch langfristig in der Partei an Bedeutung zu verlieren. Ein wichtiger Posten nach der Wahl in Berlin wäre dann wohl nicht mehr sicher.

Allerdings ist nach wie vor offen, ob der Parteitag überhaupt über die Frage abstimmt oder doch in den kommenden Wochen der Basis die Entscheidung überlässt. Diese Verfahrensfrage soll zu Beginn des Treffens von den rund 600 Delegierten beraten werden. Sie müssen in dieser Frage gleich über mehrere Anträge zur Tagesordnung abstimmen.

© SZ/lot
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