bedeckt München
vgwortpixel

AfD:AfD-Politikerin sagt Treffen mit Islamvertretern ab - Zentralrat der Muslime hält an Einladung fest

Das Vorstandsmitglied Alice Weidel will nicht mehr mit dem Zentralratsvorsitzenden Aiman Mazyek sprechen, weil er die AfD mit der NSDAP verglichen hat.

Trotz der Absage von AfD-Vorstandsmitglied Alice Weidel wird das Treffen zwischen Vertretern der islamkritischen Partei und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) wohl stattfinden. Der ZMD bestätigte am Mittwoch seine Einladung an den Parteivorstand um die Vorsitzende Frauke Petry, wie eine Sprecherin der SZ mitteilte. Ein AfD-Sprecher erklärte, die Partei müsse sich über das weitere Vorgehen beraten. Eine Absage des Treffens, das am 23. Mai in Berlin stattfinden soll, stehe aber derzeit nicht zur Diskussion.

Der ZMD hatte Petry Ende April zu einem Gespräch eingeladen, um über die Flüchtlingskrise und die Islamfeindlichkeit der AfD zu sprechen. "Wir wollen wissen: Warum hassen Sie uns Muslime?", hatte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek die Einladung begründet. Petry hatte die Einladung angenommen. Sie wollte gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen Alice Weidel und Albrecht Glaser an dem Treffen teilnehmen.

Überraschende Absage

Weidel hatte ihre Teilnahme an dem Treffen am Dienstagabend überraschend abgesagt. Sie begründete dies unter anderem damit, dass Mazyek die AfD mit der NSDAP verglichen habe. Sie bezog sich damit auf einen Kommentar des ZMD-Vorsitzenden zum islamfeindlichen Kurs der AfD. Zum ersten Mal seit der Zeit des Nationalsozialismus gebe es eine Partei, hatte Mazyek Mitte April gesagt, die "eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht".

Dieser Vergleich, schrieb Weidel in einer Erklärung, die der SZ vorliegt, "offenbart nicht nur Mazyeks Charakter, sondern vielmehr seine Unfähigkeit, politische Debatten in Deutschland zu führen". Sie warf Mazyek zudem vor, ein "Vertreter der Geschlechterungleichheit" zu sein und nichts gegen die Radikalisierung in Moscheen zu unternehmen. "Er scheint unwillens oder unfähig zur intellektuellen Reflexion über die Probleme des Islams zu sein. Der Name des Vereins, dem er vorsteht, ist eine Anmaßung und Farce, denn er repräsentiert mitnichten alle Muslime in Deutschland", so Weidel.

Der ZMD äußerte sich zu den scharfen Vorwürfen nicht. Man halte an der Einladung fest, der Ort des Treffens werde noch festgelegt. Bei der AfD muss nun entschieden werden, ob Petry und Glaser das Gespräch alleine bestreiten werden oder ob die Partei jemanden für Weidel nachnominiert.

AfD So sieht der Anti-Islam-Kurs der AfD in der Praxis aus
AfD in Thüringen

So sieht der Anti-Islam-Kurs der AfD in der Praxis aus

Eine muslimische Gemeinde will in Erfurt eine Moschee bauen. AfD-Landeschef Höcke sieht das als Teil eines "Landnahmeprojekts" und kündigt Widerstand an - mit Unterstützung von Pegida.   Von Paul Munzinger