Äthiopien:Die Flucht von Aduma Omot und Odoge Otiri

Auch Otiri und Omot entflohen der Gewalt in Gambella im Sommer 2011. Sie liefen über die äthiopische Grenze in den Südsudan. Aber das junge Paar ging diesen Weg nicht gemeinsam.

Als Otiri allein im Wald aufwachte, musste er sich entscheiden: Wenn er nach Hause zurückkehrte, würde er höchstwahrscheinlich sich selbst und seine Frau in weitere Gefahr bringen. Er entschied, dass es das Sicherste sei, über die Grenze in den Südsudan zu gehen. Er hoffte, seine Frau würde erfahren, was passiert war, und ihm folgen.

Ein Nachbar erzählte Aduma Omot kurz nach dem Verschwinden ihres Mannes, dass Soldaten ihn in den Wald gebracht hätten. "Mein erster Gedanke war, dass ich meinen Mann nicht wiedersehen würde", erzählt Omot.

Später in dieser Nacht kamen drei Soldaten zu ihrem Haus. Sie wollten von ihr wissen, wo ihr Mann sich verstecke. Als sie sagte, dass sie es nicht wisse, nahmen sie sie mit in ihr Camp. Auf dem Weg stießen sie Omot auf den Boden, weil sie nicht schnell genug lief. "Wo ist dein Mann?" fragten sie erneut. Als Omot wiederholte, dass sie es nicht wisse, wurde sie von den Soldaten vergewaltigt.

"Nach zwei Tagen ließen sie mich frei", sagt Omot. "An dem Punkt habe ich beschlossen, mein Land zu verlassen." Sie machte sich auf in den Südsudan, ohne zu wissen, was sie dort erwarten würde.

Die Aktivitäten der Weltbank in Äthiopien

Schon vor langer Zeit hat die Weltbank Äthiopien zu einer ihrer obersten Prioritäten gemacht und die Regierung mit Krediten unterstützt, um 90 Millionen Menschen zu helfen, der Armut zu entfliehen.

2005 stellte sie die Unterstützung aufgrund heftiger Konflikte im Land ein, bei den Parlamentswahlen waren zahlreiche Oppositionsanhänger und Menschenrechtsaktivisten drangsaliert und festgenommen worden. Aber nur ein Jahr später hob die Weltbank die Sperre wieder auf. Ihre neue Strategie: Kommunalverwaltungen und Landesregierungen unterstützen. 2006 bewilligte die Bank 215 Millionen Dollar, um die Bildungschancen, die Gesundheits- und die Trinkwasserversorgung in ländliche Gegenden zu verbessern.

Kurz nach der Ausweitung des Programmes im Jahr 2009 begann die äthiopische Regierung mit ihrer Umsiedlungskampagne. Die Weltbank sagt, die äthiopischen Beamten hätten die Bank nicht konsultiert, als sie das Programm entwarfen. Die Bank habe erst eineinhalb Jahre später von dem Plan erfahren.

Der Gouverneur gibt zu, Geld abgezweigt zu haben

Othow Nygowo, ein ehemaliger Verwaltungsleiter in Gambella, sagt, der ehemalige Gouverneur Olom habe ihm und anderen Beamten befohlen, Weltbankgelder in das Umsiedlungsprogramm umzuleiten. Er selbst habe 1500 Dollar zweckentfremdet, die eigentlich für Grundschulen vorgesehen waren.

Olom bestätigt diesen Bericht: Er habe auf diese Weise insgesamt etwa zehn Millionen Dollar abgezweigt. Seine Vorgesetzten hätten ihn dazu angewiesen und ihm versichert, dass er dafür nicht bestraft werden würde.

Als Angestellte der Weltbank im Februar und März 2011 nach Äthiopien reisten, um sich über das Umsiedlungsprojekt zu informieren, besuchten sie die Region Benishangul-Gumuz nördlich von Gambella, in dem überhaupt keine Anuak leben. Basierend auf ihren Eindrücken kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Umsiedlungen "offenbar freiwillig und nicht als eine direkte Konsequenz von durch die Weltbank finanzierten Investitionsprojekten" erfolgt seien.

Noch bevor die Angestellten ihren Bericht der Weltbank vorlegten, bewilligte die Bank Äthiopien einen weiteren Kredit von 420 Millionen US-Dollar. Ein Großteil davon landete in Gambella und in anderen von der Umsiedlung betroffenen Regionen. Die Anuak, die juristisch keinen Anspruch auf das Land ihrer Ahnen haben, bekamen keinen finanziellen Ausgleich, sagen sie.

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