Ärger über Thilo Sarrazin Zustimmung aus dem rechten Lager

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am gestrigen Mittwoch entrüstet gezeigt. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von verletzenden, diffamierenden Formulierungen, die "überhaupt nicht hilfreich sind bei der großen nationalen Aufgabe in diesem Land, bei der Integration voranzukommen". Es gebe in der Tat Probleme bei der Integration von Migranten, sagte Seibert. Aber es bedürfe nicht der Äußerungen Sarrazins, um daran erinnert zu werden.

Forderungen nach Rücktritt werden lauter

Ähnlich äußerte sich dazu auch der Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD): "Die Probleme, die er benennt, die gibt es, keine Frage. Wir haben Parallelgesellschaften, wir haben Bildungsferne, wir haben Menschen, die sich im Sozialsystem eingerichtet haben, und wir haben Menschen, die das Sozialsystem als Lebensgrundlage benutzen und 'Scheiß Deutsche' sagen", sagte Buschkowsky im Deutschlandradio Kultur. Dies jedoch "als eine Art Marke allen Zuwanderern anzukleben", halte er für falsch.

Unterdessen häufen sich die Forderungen, Sarrazin solle seinen Posten bei der Bundesbank räumen. Sarrazin bekleide ein "hohes nationales Amt", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU) in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Wenn ein so wichtiger Funktionsträger mit Vorurteilen und "bösartigen Verallgemeinerungen" operiere, "wird auch das Bild Deutschlands im Ausland eingetrübt."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erinnerte allerdings daran, dass der Präsident der Bundesbank in dieser Sache nur einen begrenzten Handlungsspielraum habe.

Beifall bekommt Sarrazin indessen aus dem rechten Lager. Der Vorsitzende der rechtsgerichteten Bewegung Pro Deutschland, Manfred Rouhs, bot Sarrazin seinen Posten an, falls dieser Mitglied der Gruppe werden wolle. Der hessische NPD-Landesvorsitzende Jörg Krebs wandte sich in einem offenen Brief an den "sehr geschätzten Herrn Dr. Sarrazin", um ihm für seine Äußerungen zu danken.