Ägyptens General Al-Sisi Mit allen Wassern gewaschen

Viele Ägypter haben Angst vor islamistischem Terror. Von ihnen erhofft sich Militärchef Al-Sisi Unterstützung. Er will schließlich aufräumen mit den Fundamentalisten. Offen ist, welche Ziele der populäre General darüber hinaus verfolgt.

Ein Kommentar von Tomas Avenarius, Kairo

Ägyptens Militärchef Abdel-Fattah al-Sisi ist mit allen Wassern gewaschen. Erst lässt er sich von der Opposition ermächtigen, den gewählten Staatschef abzusetzen. Millionen stehen per Demonstration hinter der Coup-Revolution.

Jetzt, wo sich die Mursi-Anhänger in der Minderheit sehen und gewalttätig protestieren, ruft der General das Volk erneut: Durch neue Millionen-Märsche sollen sie ihm "ein Mandat gegen Terrorismus und Gewalt" geben.

Sisi will aufräumen mit den Muslimbrüdern. Das war zu erwarten. Dank der Eskalationsstrategie der Fundamentalisten steht es um die Sicherheit noch schlechter als unter Mursi. Tag für Tag gibt es Tote. Auf dem Sinai, wo die Armee gegen die von den Muslimbrüdern gehätschelten Gotteskrieger kämpft, herrscht fast schon Krieg.

Weite Teile der Bevölkerung aber hoffen auf den Aufschwung, wollen ein Ende der Unruhen, fürchten umso mehr die Rückkehr des Islamisten-Terrors der 90er-Jahre, diesmal mit den Muslimbrüdern an der Spitze. Mit ihrer Strategie des Dauerprotests schaufeln sich die Islamisten ihr eigenes Grab. Sisi steht als Bestattungsunternehmer bereit.

Was der populäre General danach tut, ist offen. Möglicherweise will er Ägypten mit seinen Soldaten wirklich den Weg zur Demokratie ebnen. Möglich aber auch, dass er sich in einer ganz anderen Rolle sieht: als Uniform-Autokrat wie Nasser, Sadat und Mubarak.